Lufthansa "Erst am Anfang der Eskalation"

Harte Fronten zwischen Piloten und Airline. Die Chance auf einen baldigen Durchbruch ist gering.

Frankfurt/Main - Vor den für Montag erwarteten neuen Tarif- Gesprächen über höhere Pilotengehälter gab es keine Anzeichen für eine Einigung in dem Tarifkonflikt. Wenn die Lufthansa den Piloten nicht entgegenkomme, werde wieder gestreikt, sagte Verhandlungsführer Michael Tarp von der Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag in Neu-Isenburg. "Wir sind erst im Anfangsstadium der Eskalation."

Die Lufthansa bekräftigte ihren Willen zu einer schnellen Einigung. Angesichts der Cockpit-Forderung meldete die Gewerkschaft ver.di einen Anspruch auf höhere Einstiegsgehälter, mehr Zulagen und bessere Leistungsanreize für das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa an. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte den Kurs der Piloten als "unverantwortlich und selbstzerstörerisch".

Streikfolgen noch bis Freitagmittag spürbar

Die Auswirkungen des dritten Pilotenstreiks binnen zwei Wochen am Donnerstag waren noch am Freitagmorgen zu spüren. Deutschlandweit mussten weitere 52 Flüge abgesagt werden, einige Maschinen starteten verspätet, wie die Lufthansa mitteilte.

Beim 24-stündigen Ausstand wurden laut Cockpit 781 von 1100 geplanten Passagierflügen abgesagt, 214 waren verspätet. Dazu seien Ausfälle und Verspätungen bei Condor und Lufthansa-Cargo gekommen. Die Pilotengewerkschaft wertete den Streik als "vollen Erfolg".

Lufthansa wirbt um Verständnis

Die Lufthansa verteidigte ihr jüngstes Angebot in ganzseitigen Zeitungsanzeigen. "Ein Abschluss darf nicht die Position der Lufthansa im globalen Wettbewerb untergraben, noch darf er den inneren Frieden und die Verhältnismäßigkeit in der Tariflandschaft aufs Spiel setzen."

Das Unternehmen hat für 2001 eine Einkommens-Verbesserung von 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnis- Beteiligung von zwei Monatsgehältern vorgeschlagen. Hinzukommen sollte außerdem ein Aufschlag von drei Prozent innerhalb der vorgesehenen vierjährigen Laufzeit. Cockpit verlangt für die 4200 Piloten und Copiloten 24 Prozent mehr Gehalt plus einer Ergebnis-Beteiligung.

Streit zwischen Piloten und Bodenpersonal

Cockpit kritisierte, eine Demonstration von mehreren hundert Bodenbeschäftigten gegen die Piloten-Forderungen am Donnerstag auf dem Frankfurter Flughafen sei von der Lufthansa gesteuert worden. Eine Unternehmenssprecherin wies die Vorwürfe zurück. Eine Schlichtung schloss Cockpit-Verhandlungsführer Tarp zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. Noch gebe es eine Chance, sich ohne Schlichter zu einigen.

Die Gewerkschaft ver.di kündigte höhere Forderungen bei den Verhandlungen für den Entgeltrahmentarifvertrag an, bei dem es um die Tarifstruktur geht. Der im März geschlossene Gehaltstarifvertrag für Boden und Kabine werde aber nicht nachverhandelt, sagte ein Sprecher.

Die vereinbarten dreieinhalb Prozent mehr Lohn und Gehalt summierten sich mit Einmalzahlungen und Ergebnisbeteiligung auf rund fünf Prozent. Dies könne sich "in der tarifpolitischen Landschaft des Jahres 200"» gut sehen lassen: "Es gibt keine Nachschlagdiskussion."

Arbeitgeberpräsident Hundt forderte ein sofortiges Ende des Arbeitskampfes bei den Piloten. Er schade der gesamten Wirtschaft.

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