Dienstag, 26. Mai 2020

Wagniskapitalfonds für europäische Start-ups Atomico sammelt 820 Millionen Dollar für europäische Investments ein

Atomico-CEO und -Gründer Niklas Zennström

Während Softbank-Gründer Masayoshi Son den Start seines neuen Vision Funds nach dem Debakel um den Bürovermieter WeWork womöglich erst einmal verschiebt, scheinen Geldgeber auch in Europa durchaus auf der Suche nach vielversprechenden Start-up-Investments zu sein.

Der Londoner Wagniskapitalgeber Atomico jedenfalls hat gerade 820 Millionen Dollar (rund 757 Millionen Euro) für Investitionen in überwiegend europäische Start-ups eingesammelt, wie Atomico am Dienstag mitteilte. Damit übertraf der nun geschlossene Atomico-V-Fonds seinen Vorgänger aus dem Jahr 2017 mit einem Volumen von 265 Millionen Euro. Insgesamt verwalten die Londoner damit ein Gesamtvermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar.

Atomico-Partner Siraj Khaliq

Lohnende Investitionsmöglichkeiten sehen die Londoner aktuell offenbar viele. Wie der Wagniskapitalgeber mitteilte, ist ein Teil des Geldes, das unter anderem von Familiy-Offices, Pensionsfonds, Versicherungen und Banken stammt, bereits vor dem offiziellen Closing reinvestiert worden - unter anderem in das Berliner Agrartech-Start-up Infarm, die Automations-Plattform Automation Hero oder die Würzburger Industrieeinkaufspattform Scoutbee.

"Unsere Investoren kennen unseren track record und unsere Vorgehensweise", begründete Atomico-Partner Siraj Khaliq gegenüber manager magazin die große Nachfrage der Investoren nach europäischen Investments, die nach seinen Worten dazu führte, dass der Fonds deutlich größer ausfiel als ursprünglich geplant. Das Ökosystem in Europa habe in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Nun sei es wichtig, fähigen Gründern mit ausreichendem Kapital auch die Chance zum Wachstum zu geben.

Zu den Investoren des von Skype-Mitgründer Niklas Zennström 2006 ins Leben gerufenen VCs gehören den Angaben zufolge auch Gründer und frühe Teammitglieder erfolgreicher europäischer Start-ups wie Adyen, Klarna, Transferwise oder Spotify. Nach Angaben des Unternehmens war Atomico am Aufbau von mittlerweile elf Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar beteiligt, darunter der E-Scooter-Verleiher Lime, die Online-Zahlungsdienstleister Klarna und Stripe und der der finnische Spielentwickler Rovio.

Atomico ist nicht der einzige europäische Wagniskapitalgeber, der in dieser Größenordnung agiert. Der Investor Klaus Hommels mit seinem Wagniskapitalfonds Lakestar arbeitet aktuell an einem Fonds in ähnlicher Größenordnung für den er im Spätsommer bereits gut 700 Millionen Euro zusammen gehabt haben soll. Ein offizielles "closing" wurde bislang aber noch nicht kommuniziert. Der britische Wagniskapitalgeber Northzone hatte im November den Abschluss eines 500-Milionen-Dollar-Funds angekündigt.

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