Japan Politischer Wandel

Wahlen - der Reformer Junichiro Koizumi ist neuer japanischer Regierungschef.

Tokio - Der 59-Jährige wurde am Donnerstag mit großer Mehrheit von den Koalitionsparteien LDP, Komeito und Konservative Partei in beiden Kammern des Parlaments gewählt. Koizumi tritt die Nachfolge des unbeliebten Yoshiro Mori an, der nach einer Reihe parteiinterner Skandale und politischer Schnitzer zurückgetreten war.

Ex-Gesundheitsminister Koizumi hat sich einen politischen Wandel und energische Strukturreformen in der Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Er steht nun jedoch vor einer schwierigen Gratwanderung. Zum einen muss er nach Meinung von Beobachtern Reformen einleiten, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen. Zum anderen müsse Koizumi aufpassen, die alte Garde seiner regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) nicht allzu sehr zu brüskieren.

Als erster Test dafür galt die Zusammensetzung seines Kabinetts, das Koizumi noch am selben Tag bekannt geben wollte. Japanischen Medienberichten zufolge will er Universitätsprofessor Heizo Takenaka zum Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik machen. Damit käme Koizumi seinem Versprechen nach, Vertreter des Privatsektors in die Regierung zu holen.

Zugleich aber wollte er nach Medienberichten mehrere Minister der Regierung seines Vorgängers Mori im Amt belassen. Dazu zählten Industrie- und Handelsminister Takeo Hiranuma sowie der Minister für das Finanzwesen, Hakuo Yanagisawa.

Nach den Berichten meldete Koizumis stärkste innerparteiliche Unterstützerin, Makiko Tanaka, den Wunsch an, Außenministerin zu werden. Doch könne es sein, dass die scharfzüngige Tochter des legendären Ex-Regierungschefs Kakuei Tanaka stattdessen Ministerin für die Verwaltungsreform wird, hieß es. Tanaka ist Umfragen zufolge die beliebteste Politikerin des Landes.

Koizumi hatte versprochen, die Ministerposten nicht mehr nach der Stärke der traditionellen LDP-Parteiflügel zu besetzen. Er wollte auch junge Politiker, Frauen und fähige Leuten aus der Wirtschaft berufen. Er war im maßgeblichen Unterhaus mit 287 von 478 gültigen Stimmen zum Regierungschef gewählt worden. Der Chef der größten Oppositionspartei der Demokraten, Yukio Hatoyama, erhielt lediglich 127 Stimmen.

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