Fußball-WM Nächste Runde

Die Verhandlungen über die TV-Rechte zwischen Kirch und der ARD gehen weiter.

München - Zwar strebten die ARD-Intendanten auch weiterhin eine Einigung mit dem Münchner Medienhändler Leo Kirch an, betonte ARD-Sprecherin Gudrun Hindersin am Dienstag. Einige Punkte seien allerdings noch immer offen. "Es sind die Punkte, die unser Verständnis als öffentlich-rechtliches Programmunternehmen betreffen", sagte sie. Nähere Einzelheiten nannte sie nicht.

Zunächst müssten die strittigen Punkte der KirchMedia mitgeteilt werden, die die Rechte hält. Kirch-Sprecher Hartmut Schultz wollte die jüngsten Ereignissen im WM-Poker nicht kommentieren. "Eine abschließende Meinungsbildung hat noch nicht stattgefunden", sagte er. Nach mehrstündigen Beratungen hatten die Intendanten der zehn ARD-Anstalten am Montagabend ihre Entscheidung über das WM-Geschäft mit Kirch vertagt.

Entscheidung am Montag

Die Zeit wird jetzt allerdings knapp. Nach einer Vereinbarung von ARD, ZDF und der KirchGruppe müssten die Intendanten dem vorliegenden Vertragswerk bis zum 30. April zustimmen. Im Sinne der Gebührenzahler sei die ARD aber "verpflichtet, die Verträge sorgfältig zu prüfen", betonte Hindersin.

Die Verhandlungen seien allerdings bereits "sehr weit gediehen", fügte sie hinzu. Das ZDF hatte die Vereinbarungen mit Kirch bereits am 30. März gebilligt.

Zu den Streitpunkten zählte zuletzt vor allem die Verschlüsselung der Live-Übertragungen im digitalen Satelliten-TV, zu der ARD und ZDF dem Vertrag zufolge verpflichtet wären. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Zuschauer in anderen europäischen Ländern die Spiele verfolgen können. Davon wären jedoch auch Zuschauer in Deutschland betroffen, deren Empfangs-Geräte die Sendungen nicht entschlüsseln können.

Kirch droht mit Schadenersatzforderung

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe) hat Kirch den öffentlich-rechtlichen Sendern sogar mit Schadenersatzforderungen gedroht, falls die Anstalten die Fußball-WM 2002 unverschlüsselt ausstrahlen.

Anfang März hatten sich die ARD-Intendanten zunächst grundsätzlich mit der KirchGruppe geeinigt. Danach können die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten 24 Spiele auf ihren Kanälen übertragen und bezahlen dem Münchner Medienunternehmen dafür 225 Millionen Mark.

Die Summe soll zum Teil mit Übertragungsrechten an den Olympischen Spielen 2002 und 2004 sowie der Fußball-Europameisterschaft 2004 verrechnet werden, die ARD und ZDF der KirchGruppe überlassen.

Auch ProSiebenSat.1-Gruppe an WM interessiert

Für die Fußball-WM 2006, die in Deutschland stattfindet und an der Kirch ebenfalls die Rechte hält, haben die öffentlich-rechtlichen Sender eine Kaufoption. Sollten sie nicht zum Zuge kommen, sollen sie 100 Millionen Mark zurückerstattet bekommen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" weiter berichtet, macht der Medienhändler die Rückzahlung dieser 100 Millionen Mark allerdings davon abhängig, dass auch ein Geschäft bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal zustande kommt.

Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat unterdessen ihr Interesse an den Übertragungsrechten signalisiert. Eine Fußball-WM sei für die Sender der Gruppe immer ein "sehr interessantes Thema", sagte Vorstandschef Urs Rohner. Nachdem die ARD-Intendanten ihre Entscheidung vertagt hätten, warte man "gebannt" auf die weitere Entwicklung.

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