Philips Ein geschickter Schachzug

Die Chipproduktion in Deutschland wird gebündelt. Grund: der Tarifwechsel von Metall zur Chemie.

Hamburg - Die neue Tochtergesellschaft soll den regionalen Arbeitgeberverbänden der Chemischen Industrie beitreten. Bisher lagen die Halbleiteraktivitäten im Bereich Metall. Betroffen von der Entscheidung sind rund 3000 Mitarbeiter in den Werken in Hamburg und Böblingen.

Zu dem Grund für den Tarifwechsel teilte der Konzern am Dienstag mit, dass die Produktion von Halbleitern längst ein chemisches Verfahren sei. Metallverarbeitende Prozesse fänden nicht mehr statt.

Doch dies ist nur ein Randaspekt. Mit dem Tarifwechsel verbessert Philips auch seine Rahmenbedingungen gegenüber der Konkurrenz in der Halbleiterbranche in Deutschland. Die Chemietarife trügen den Anforderungen einer Hightech-Produktion Rechnung, hieß es in einer Pressemitteilung.

Das herausragende Merkmal des Chemietarifs sei die Flexibilität der Wochenarbeitszeit, die nach dem Tarifwechsel 37,5 Stunden beträgt. Es besteht laut Philips die Möglichkeit, je nach Bedarf die Arbeitszeit auf 35 Stunden herab- oder auf 40 Stunden heraufzusetzen. Dies ist ein wichtiges Kriterium für die Wettbewerbsfähigkeit "angesichts der extremen Schwankungen und der Dynamik im Halbleitergeschäft".

Im Gegenzug zur Anhebung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit erhalten die Mitarbeiter rund sieben Prozent mehr Lohn. Jeder Einzelne kann allerdings frei entscheiden, ob er den Wechsel vollzieht. Bleibt er im Metalltarif, arbeitet er weiter nur 35 Stunden pro Woche, bleibt von der Lohnanhebung aber ausgeschlossen.

Tochterfirma erhält Doppelspitze

Als Geschäftsführer der neuen Gesellschaft sollen Peter Draheim und Volker Kuckhermann berufen werden. Sie leiteten bisher die Standorte in Hamburg und Böblingen.

Nach eigenen Angaben hat Philips von 1995 bis 2000 etwa eine Milliarde Mark in die Halbleiterproduktion investiert. In diesem Jahr fließen weitere Mittel in Höhe von 300 Millionen Mark.

Keine Chipfabrik in Erfurt

Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass Philips keine Chipfabrik in Erfurt baut. Das Unternehmen habe dies dem Wirtschaftsministerium bestätigt, sagte ein Ministeriumssprecher.

Philips-Sprecher Gerd Götz sagte, der geplante Joint-Venture-Partner habe Abstand von dem Vorhaben genommen. Der Bau der Fabrik sei an ein Kooperationsmodell gebunden gewesen. Wer der internationale Partner war, wollte er nicht sagen. In die neue Fabrik zur Herstellung von UMTS-Schaltkreisen sollte eine dreistellige Millionensumme investiert werden. Zudem waren 300 neue Arbeitsplätze geplant.

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