Deutsche Bahn Außer Kontrolle

Kaum gestartet, gerät das Sanierungsprogramm von Bahnchef Mehdorn schon ins Wanken.

Berlin - Die Deutsche Bahn hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL große Probleme mit der Umsetzung ihres Sanierungskonzeptes. Für drei Viertel der 2001 geplanten Einsparungen über 1,1 Milliarden Mark seien noch keine konkreten Maßnahmen vorgesehen. Die Deutsche Bahn AG wies den Bericht zurück. "Wir werden die Sanierungspotenziale, die wir uns für dieses Jahr gesteckt haben, auch heben", erklärte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Gleichzeitig verteidigte Mehdorn am Wochenende die geplante Streichung von InterRegio-Zügen gegen die Kritik von Parteien und Gewerkschaften. Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Juni sollen 13 Millionen der rund 170 Millionen Zugkilometer aus dem Fernverkehr gestrichen werden. Mit dieser Ankündigung hatte die Bahn einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen.

"Wer angesichts der prekären Lage der Bahn die Aufrechterhaltung eindeutig defizitärer Zugverbindungen verlangt, hat noch immer nicht begriffen oder akzeptiert, dass die Bahn keine Behörde mehr ist, bei der sich jeder bedienen kann, wenn er nur genug Lärm macht", erklärte Mehdorn.

Zielsetzung 2001 ist gefährdet

Beim Sanierungsprogramm sei die Zielsetzung für 2001 stark gefährdet, zitiert DER SPIEGEL aus einem bahninternen Bericht. Bei mehreren Einzelprojekten sei die "grundsätzliche Vorgehensweise nicht geklärt". In einigen Konzernteilen würden Mehdorns Vorgaben zudem nicht befolgt. Bei 93 Prozent der Projekte gebe es noch nicht einmal eine Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Mehdorn gab sich in seiner Stellungnahme hingegen optimistisch. Trotz "mangelnder politischer Unterstützung" sei er davon überzeugt, "dass wir die Bahnreform im Plan erfolgreich abschließen werden."

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