Deutsche Telekom Sommers Ränkespiele

Von Anne Preissner

Der Telekom-Chef hat vor, den von Gerd Tenzer, 57, verantworteten Netzbereich (T-Net) weitgehend mit der größten Säule des Konzerns, der T-Com (klassisches Telefongeschäft), zu verschmelzen, um das erodierende Kerngeschäft zu stärken: Nahezu alle Telefondienste der Bonner sind defizitär, während der Netzsektor fette Gewinne einfährt.

Sommers Plan macht sachlich Sinn. Seinen Technikvorstand wird er dennoch behalten müssen ­- Tenzers Proteste konnte Sommer mit Blick auf die politische Gemengelage nicht übergehen. Als technischer Koordinator wird Tenzer künftig keinen direkten Einfluss mehr auf das Netzgeschäft haben, aber eine Position im künftigen Holdingvorstand ist ihm sicher.

Dem Ansehen Sommers schaden derlei Ränkespiele. Im Berliner Finanzministerium wächst die Angst, dass die T-Aktien nur schwer unters Volk zu bringen sind. Bundeskassenwart Hans Eichel, 59, aber braucht dringend Geld, um die erwarteten Steuermindereinnahmen ausgleichen zu können.

Fast routinemäßig dringen aus dem Finanzministerium immer die gleichen Namen möglicher Sommer-Nachfolger: Neben Tenzer tauchen der ehemalige Thyssen-Chef Dieter Vogel, 59, und der Swisscom-Vorstand Carsten Schloter, 37, auf.

Überzeugend klingt keine Alternative. Sommers größter Vorteil: Derzeit ist niemand in Sicht, der genug Profil für die schwierige Aufgabe hat. Mit Sommer bleibt aber auch das Misstrauen - und es bleiben die Zweifel, ob der smarte Selbstdarsteller die Probleme des Konzerns in den Griff bekommt.

Die Deutsche Telekom  schreibt im operativen Geschäft rote Zahlen. In den nächsten Jahren kann die Bilanz nur über außerordentliche Erträge wie den Verkauf von Beteiligungen und Immobilien aufpoliert werden.

Zudem ist noch unklar, ob die Wertberichtigung des Immobilienbesitzes um 3,9 Milliarden Mark ausreicht. Nur die Grundstücke wurden abgewertet, nicht die Gebäude. Insider gehen davon aus, dass auch bei den Bauten ein Abwertungsbedarf besteht. Es kursieren Zahlen von Schwindel erregenden 6 bis 13 Milliarden Mark. Der Grund: Die Gebäude stehen nicht mit ihrem Verkehrswert, sondern mit dem Wiederbeschaffungswert in der Bilanz. Dies stufte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wedit, so ergaben mm-Recherchen, bereits 1998 in ihrem Gutachten als "latentes Risiko" ein.

Sommer lässt einen möglichen weiteren Wertberichtigungsbedarf dementieren. Weder die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft wegen Verdachts falscher Bilanzierung des Immobilienvermögens noch der Sinkflug der T-Aktie scheinen ihn sonderlich zu berühren. Der Telekom-Chef rechnet fest mit politischer Rückendeckung aus Berlin.

Doch das Berliner Parkett ist glatt. Neuer Ärger droht. Als Sommer Anfang April die Kooperation von T-Online mit Springers Bild.de verkündete, erbleichten die SPD-Oberen. Schröders Umfeld hält es für politisch instinktlos, dass die Telekom mit dem schwärzesten Verlag der Republik paktiert.

Er kommentiere das Geschäft der Telekom nicht, ließ Kanzlersprecher Uwe-Karsten Heye schmallippig verlauten. Kein gutes Omen für Ron Sommer.

Deutsche Telekom III: Die fünf Probleme des Ron Sommer


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