Telekom Bizarrer Führungsstil

Konzernlenker Ron Sommer sucht Schutz bei Bundeskanzler Gerhard Schröder - und brüskiert zugleich SPD-nahe Telekom-Manager. Wie lange kann sich Sommer noch halten?
Von Anne Preissner

Die Kameras schwenkten zu Ron Sommer, 51, als Gerhard Schröder, 57, bei seiner Rede zur Eröffnung der Cebit in Hannover den Konzernlenker in höchsten Tönen lobte. Befriedigt lauschte der Telekom-Chef der Eloge des Bundeskanzlers.

Beim anschließenden Abendessen im Congress Centrum revanchierte sich Sommer. Am Ehrentisch mit Schröders Gattin Doris, Siemens-Chef Heinrich von Pierer, 60, und weiteren Wirtschaftsgrößen hofierte er den Kanzler so ungeniert, dass es einigen Teilnehmern peinlich war.

Ein Duo triumphale? Weit gefehlt. Schröder hat mit seinen Vertrauensbekundungen für Sommer nur eines im Sinn: den weiteren Verfall der T-Aktie  aufzuhalten. Schließlich braucht der Bund (mit 58 Prozent Mehrheitseigentümer) dringend die Erlöse aus weiteren Börsengängen der Telekom.

Im vertraulichen Gespräch reden Schröders Leute Klartext. "Pfauig" sei Ron Sommer, monieren führende Sozialdemokraten. In der Staatskanzlei von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement, 60, wächst die Sorge, Sommers bizarrer Führungsstil könnte den Konzern noch mehr ins Schlingern bringen.

Die Sozialdemokraten verdrießt, dass Sommer seinen Technikvorstand und Stellvertreter Gerd Tenzer, 57, entmachten will. Franz Arnold,59, seinem langjährigen Berater, hat er bereits gekündigt -­ zum 30. April.

Das Motiv für die Personalien: Sommer verdächtigt Tenzer und Arnold, beide Sozialdemokraten, interne Informationen an die Medien ausgeplaudert und Gerüchte über seine Absetzung gestreut zu haben. Offiziell will die Telekom von den Entscheidungen nichts wissen. Auch die Betroffenen lehnen eine Stellungnahme ab.

Umso größer ist die Aufregung hinter den Kulissen.

Arnold erhielt unlängst das Bundesverdienstkreuz für seine Leistungen im Telekom-Sektor. Im Auftrag des Vorstands sanierte er das TV-Kabelgeschäft und wickelt nun den Verkauf in neun bundesdeutschen Regionen ab. Erst vor wenigen Wochen gelang es Arnold, mit Liberty Media/Klesch einen Käufer für die letzten sechs Regionen zu finden. Der Verkauf soll bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Der Rausschmiss Arnolds könnte das wichtige Geschäft gefährden. Das käme einem Desaster gleich, denn die Telekom braucht den Erlös aus den Verkäufen, etwa zehn bis elf Milliarden Mark, um ihre erdrückende Schuldenlast abzubauen.

Sommer fühlt sich ­- noch ­- sicher. Vom Kanzleramt holte er sich eine Genehmigung für seine geplanten Personalmanöver. Da wusste die Regierung allerdings noch nicht, wem Sommers Attacken galten.

Als in SPD-Kreisen ruchbar wurde, dass neben Arnold auch Tenzer ausgebootet werden sollte, wachten die Berliner auf. Selbst Aufsichtsräte der Telekom wurden plötzlich unruhig. Tenzer gilt in der Telekom als eine wichtige Integrationsfigur. Die fachliche Kompetenz des altgedienten Ex-Postlers ist unbestritten. Wohl deshalb wird Tenzer immer wieder als Sommer-Alternative ins Gespräch gebracht ­ er mag es wollen oder nicht.

Sommer will es ganz und gar nicht. Die geplante Umwandlung des Führungsgremiums in einen Holdingvorstand, die mm enthüllte (siehe mm 4/2001), sollte ohne Tenzer ablaufen.

Deutsche Telekom II: Sommers Ränkespiele Deutsche Telekom III: Die fünf Bonner Knackpunkte

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