Freitag, 6. Dezember 2019

Wegen Erdbeben-Gefahr Großbritannien stoppt Fracking

Fracking-Bohrung in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire: Nach einem Erdbeben im August wurde die umstrittene Technik dort ausgesetzt
Oli SCARFF/ AFP
Fracking-Bohrung in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire: Nach einem Erdbeben im August wurde die umstrittene Technik dort ausgesetzt

Es ist eine 180-Grad-Wende der britischen Regierung: Sie hat die umstrittene Technik zur Erdgasförderung mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Grund für das Fracking-Moratorium ist eine Serie von Erdbeben.

Die britische Regierung hat die umstrittene Öl- und Gasfördertechnik Fracking im Land gestoppt. Sie kündigte am Samstag ein Moratorium an und begründete dies mit dem Risiko von Erdbeben.

Energieministerin Andrea Leadsom erklärte am Samstag, sie habe auf Grundlage eines Berichts der für die Öl- und Gasförderung zuständigen Aufsichtsbehörde OGA ein Fracking-Moratorium für Großbritannien verfügt. Die OGA hatte die seismischen Aktivitäten in der Nähe eines Fracking-Gebiets in Blackpool in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire untersucht.

"Nach der Prüfung des OGA-Berichts (...) ist klar, dass wir weitere inakzeptable Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung nicht ausschließen können", sagte Leadsom. Das Fracking-Moratorium gelte mit sofortiger Wirkung. Solange es "keine neuen überzeugenden Beweise" für die Unbedenklichkeit von Fracking gebe, werde die britische Regierung keine neuen Fracking-Projekte bewilligen.

Bei der Fördertechnik wird Öl oder Gas mit Hilfe von Wasser und Chemikalien aus Gesteinsschichten gepresst. Bislang hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson Fracking in der Hoffnung gefördert, die Abhängigkeit von Erdgas-Importen insbesondere aus Norwegen und Katar zu verringern. Laut dem "Guardian" hatte Johnson Fracking einst als "herrliche Nachricht für die Menschheit" bezeichnet.

Nach einem deutlichen Erdbeben im August wurde die einzige noch laufende Fracking-Bohrung bei der Preston New Road in Blackpool von dem verantwortlichen Unternehmen Cuadrilla ausgesetzt. Das dortige Gasvorkommen umfasst nach Schätzungen des British Geological Survey bis zu 90 Billionen Kubikmeter und könnte damit Großbritanniens Gas-Bedarf der nächsten mehr als tausend Jahre decken.

Die Fördermethode stößt nicht nur bei Umweltschützern, sondern auch bei den Bewohnern in der Umgebung von Fördergebieten auf Kritik. In einem Bericht zu den Staatsausgaben wurde jüngst bemängelt, dass Fracking-Projekte hohe Kosten für die örtlichen Behörden verursachen, weil sie eine Reihe von Protesten mitsamt Verkehrsblockaden nach sich zögen und die Bohrungsstätten von der Polizei geschützt werden müssten.

Fracking war in Großbritannien erst im vergangenen Jahr wieder aufgenommen worden. Zuvor hatte es bereits ein siebenjähriges Moratorium gegeben. Im Land hat gerade der Wahlkampf begonnen: Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament.

In Deutschland ist Fracking zu kommerziellen Zwecken verboten. Auch hierzulande gab es jedoch immer wieder den Vorschlag, die Technik einzusetzen.

alr/dpa/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung