Montag, 6. April 2020

M&A-Preis Kurzer Prozess mit dem Widerstand

6. Der Widerstand

Empfindsame Seelen bevölkern die Welt der Literatur, besonders die in New York: Würden literarische Qualität und Vielfalt unter dem Supermerger leiden? Bekämen junge, unbekannte Autoren womöglich keine Chancen mehr? Und: Was haben die Deutschen hier überhaupt zu suchen?

Es war das Jahr, da sich Daimler-Benz Chrysler einverleibte, die Deutsche Bank Bankers Trust; Opfer der Judenverfolgung reichten erste Sammelklagen ein. Die Übernahme von Random House war ein kulturpolitisches Wagnis.

Man habe Widerstand erwartet, sagt ein Olson-Vertrauter: Die New Yorker Authors Guild protestierte; Autorenverbände beschwerten sich bei der Handelsbehörde FTC. Die "New York Times" maulte: bei der Integration von Random House habe die Konzernorganisation über literarische Werte triumphiert.

Doch die Ängste erwiesen sich als unbegründet. So rasch, wie die öffentliche Erregung entflammte, so schnell klang sie wieder ab.

Das Wording, die Verkaufe des Mergers, zielte ganz auf Beruhigung ab: "Wir haben immer betont", meldet Konzernsprecher Applebaum, "dass im neuen Random House verlegerische Unabhängigkeit herrsche."

Chefzusammenführer Olson entband die Geschäftsführer von Random House, Alberto Vitale und Philip M. Pfeffer, ihrer hinfälligen Jobs; an Schaltstellen platzierte er Vertrauensleute, in der Münchener Zentrale etwa Joerg Pfuhl als Executive Vice President und COO. Alle Revirements verliefen still, vornehm, sanft.

Die Verlagsstrukturen von Random blieben weitgehend intakt: Lektorat, Marketing oder Buchgestaltung arbeiteten selbstständig.

Olson verlangte, dass Random House und BDD auch weiterhin um Autoren konkurrierten, solange ein dritter Bieter beteiligt sei. "Wir haben die Kulturen nicht angetastet", sagt Olson, "sondern durch die größere Autonomie noch verstärkt."

Integration hieß für ihn: Integration von Logistik, Vertrieb und EDV.

7. Der kurze Prozess

Olsons Vorstellung von der Holding entsprach der eines Planeten, um den Satelliten kreisen, vom Namensgeber Random House ("Little Random") bis hin zum Siedler Verlag: Die Zentrale sollte Services liefern, zuständig sein für Vertrieb, Recht, Personal, Finanzen, Public Relations.

Schon ein Jahr nach der Übernahme, 1999, hatte die Olson-Truppe die Auslieferungs- und Verwaltungssysteme von BDD mit Random House verknüpft. Als erstes großes US-Verlagshaus verfügte Bertelsmann über ein integriertes EDV- und Informationssystem.

Im Jahr 2000, mithin ein Jahr früher als geplant, wurden Vertrieb und Logistik zentralisiert. In Westminster/Maryland entstand Amerikas gewaltigster Buchspeicher: über 100 Millionen Bücher lagern auf über 100.000 Quadratmetern.

"Unsere Ergebnisziele", sagt Olson, "haben wir pünktlich erreicht."

Klaus Boldt

M&A-Preis

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Teil 3d: Die Zukunft gut kommuniziert

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Teil 1: M&A-Preis - Die Strategien der Sieger

Teil 2: Beste Transaktion - UBS erobert mit Paine-Webber die USA

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