Börsenbarometer (K)ein Mann des Volkes

Der Imagewechsel von Volkswagen hat auch dem Konzern-Chef gut getan. Ferdinand Piëch schafft es im mm-Börsenbarometer aufs Treppchen.

Hamburg - Wer die Strategie von Ferdinand Piëch verstehen will, sollte sich ein paar Stunden Zeit nehmen und die "Autostadt" in Wolfsburg besuchen. Gleich neben dem Werk am Mittellandkanal hat der VW-Chef nämlich eine Erlebniswelt entstehen lassen, die seine Vision vom Volkswagen-Konzern deutlich macht. In futuristischem Design werden dort die Elemente Technik, Mobilität und Unterhaltung vereint.

Der Plan geht auf: Die erwarteten Besucherzahlen wurden übertroffen, die "Autostadt" ist für Jung und Alt ein Anziehungspunkt. Auch VW-Lenker Piëch ist bei allen Altersgruppen beliebt. Zwei Drittel der Privatanleger verknüpfen den Aufschwung der Wolfsburger mit seinem Namen. Bei den über 50-jährigen Aktionären kommt Piëch sogar auf 69 Prozent.

Mit einem Bekanntheitsgrad von 90 Prozent erzielt Piëch einen Spitzenwert. Nur die "Schlagzeilen-Könige" Ron Sommer und Jürgen Schrempp liegen vor ihm. Vor allem die männlichen Anleger wissen, wer hinter den guten Absatzzahlen, aber auch den Golf-typischen kaputten Rückleuchten steckt. Bei ihnen kommt der VW-Chef auf 96 Prozent.

Höhen und Tiefen gab es zuletzt auch an der Börse. Der Kurs der VW-Aktie pendelt seit einem halben Jahr um die 55 Euro. Nach Kurshöhen jenseits der 60 Euro im November 2000 und dann wieder Anfang März dieses Jahres fiel das Wertpapier bis Anfang April auf 48 Euro. Aktuell konnten sich die VW-Stämme wieder auf rund 54 Euro erholen. Die Rekordstände von über 90 Euro aus dem Jahre 1998 wird Piëch bis zu seinem Wechsel in den Aufsichtsrat im kommenden Jahr aber wohl nicht wieder erreichen.

Dennoch kann Piëch den Konzern guten Gewissens übergeben, denn an die alten VW-Zeiten als "Staatskonzern" erinnert nur noch die Beteiligung des Landes Niedersachsen von rund 20 Prozent. Lediglich eine Sorge beschäftigt die Wolfsburger Belegschaft: Sein gutes Abschlussergebnis als Vorstandschef bei Audi erkaufte sich Piech damals mit hohen Lagerbeständen und Überkapazitäten, die sein Nachfolger Franz-Josef Kortüm ausbaden durfte. Darauf würde man in der "VW-Stadt" gern verzichten.

Arne Stuhr

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