Börsenbarometer Ein wahrer Renner

Wendelin Wiedeking hat den kleinsten Automobilhersteller der Welt ganz groß herausgebracht. Das Unternehmen gehört zu den edlen Perlen im M-Dax - und zu den teuersten.

Hamburg - Es sind vor allem Männer über 50 mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 5000 Mark und mehr, die Wendelin Wiedeking zutrauen, Porsche auf die Dauer voranzubringen. Letzteres verwundert nicht angesichts eines Wertpapiers das über 3000 Euro kostet und auch in schlechten Zeiten für Kleingeld nicht zu haben ist.

Doch auch bei den Frauen liegt Wiedekings Führungsstil nicht schlecht im Rennen: Immerhin 51 Prozent der Befragten halten ihn für fähig, den Aktienkurs nachhaltig zu steigern. Und das, obwohl der Porsche-Chef einen anderen Kurs fährt als die Kollegen der Branche: Während sich die Konkurrenz den Zwängen der Globalisierung unterwirft und ihr Heil in immer größeren, weltumspannenden unternehmerischen Einheiten sucht, bleibt der weltweit kleinste Autobauer schön bei seinen Leisten: Er baut Sportwagen, und das ausschließlich.

Dabei legt Wendelin Wiedeking unheimliches Geschick an den Tag. Als er 1992 den Chefsessel bei Porsche bestieg, hatte er einen Sanierungsfall unter sich. Im Geschäftsjahr 1991/92 betrug der Konzerngewinn schlappe zehn Millionen Mark, im Vorjahr waren es 17 Millionen Mark gewesen, was auch keinen Grund zum Jubeln gab. Der Absatz ging auf 23.000 Autos zurück (1990/91: 26.541). Ein Trauerspiel.

Doch dann kam Wiedeking. Nach einem weiteren düsteren Jahr, 1993, brachte er das Unternehmen wieder ans Licht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 48.797 Fahrzeuge verkauft, das Konzernergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte mit 849 Millionen Mark einmal mehr kräftig gesteigert werden. Porsche vermeldet Rekorde, Wendelin Wiedeking sonnt sich im Rampenlicht, was sicherlich auch ein Grund für seinen hohen Bekanntheitsrad ist. Nur neun Prozent der befragten Männer können mit seinem Namen nichts anfangen, und das, obwohl Porsche - exklusive Wagen, exklusive Wertpapiere - weit davon entfernt ist, eine Volksaktie zu sein.

Katy Hillmann

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