Dresdner Bank "Die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt"

Dresdner-Bank-Chef Fahrholz verteidigt die Übernahme seines Instituts durch die Allianz.

Frankfurt - Das Zusammengehen mit der Allianz ist für die Dresdner Bank nach Aussage ihres Vorstandssprechers Bernd Fahrholz ein strategischer Schritt. Das Übernahmeangebot der Allianz an die Aktionäre der Dresdner Bank sei nicht tagesbezogen mit Blick auf die Kapitalmärkte zu sehen, sagte Fahrholz am Donnerstag auf der vermutlich letzten Bilanzpressekonferenz vor dem Eintritt in den Allianz-Konzern. Davon, dass die Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden dem Milliarden-Merger zustimmen werden, gehen die Vorstände beider Häuser aus.

Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz war "die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt", so Fahrholz. Er erwartet vor allem Wachstumspotenzial im Fonds-, Aktien- und Lebensversicherungsgeschäft. Das Firmenkundengeschäft werde entgegen Gerüchten keineswegs eingestellt, sagte Fahrholz.

Die Dresdner Bank hat auf dem Weg unter das Dach der Allianz im Geschäftsjahr 2000 Milliarden verloren. Allein nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank mussten über eine Milliarde Mark aufgewendet werden, um abwanderungswillige Kräfte zu halten. Der Rückzug aus Randaktivitäten außerhalb Deutschlands und der Abbau des Filialnetzes erforderte einen Aufwand von zusätzlich 475 Millionen Mark. Schließlich mussten wegen Kreditschieflagen bei ostdeutschen Immobiliengeschäften rund eine Milliarde Mark in die Risikovorlage eingestellt werden. Der Ausgleich konnte nur durch den Verkauf der Anteile an der Versicherung Münchener Rück geschaffen werden, gestand Fahrholz ein.

Die Dresdner Bank will schneller als bisher geplant die Zahl ihrer Geschäftsstellen reduzieren: Bis zum Jahresende sollen 300 Filialen zusammengelegt werden. Die ersten Monate im Jahr 2000 seien "nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig" gewesen, sagte der Dresdner-Bank-Chef im Hinblick auf die gescheiterte Fusion mit der Deutschen Bank und die internen Probleme der Bank. Die Probleme des vergangenen Jahres, auch in den Kundenbeziehungen, seien aber "ausgebügelt" worden. Das zeigten die operativen Erträge.

Dresdner Kleinwort Wasserstein geht an die Börse

"Für die nächsten Jahre haben wir uns viel vorgenommen", sagte Fahrholz. Bis 2003 soll bei der Dresdner Bank der Return on Equity nach Steuern auf 15 Prozent erhöht werden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses ehrgeizige Ziel auch erreichen werden", so der Dresdner-Bank-Vorstandssprecher, dabei berief er sich auf die strategische Neuausrichtung und das Wachstums- und Kostensenkungsprogramm.

Das Investmentbanking wird bei der Dresdner Bank im Konzernverbund mit der Allianz nicht mehr so im Zentrum stehen wie bisher, sagte Fahrholz. Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) werde rechtlich verselbstständigt und über die Mitarbeiterbeteiligung flexibler, wie das auch bei US-Investmentbanken mit hoher Mitarbeiterbeteiligung der Fall sei. In zwei bis vier Jahren solle DKW an die Börse gebracht werden.

München übernimmt die Führung

Der Zentrale der Dresdner Bank in Frankfurt droht die Verlagerung wichtiger Aufgaben zum neuen Eigentümer nach München. "Den Abbau von Zentralaufgaben schließe ich nicht aus", sagte Fahrholz. Laut Gerüchten stellt die Abteilung für Investors Relation bereits auf ein Ende ihrer Tätigkeit ein. Aufgabe dieser Gruppe ist die Kommunikation mit Aktionären und Anlegern. Nach der beabsichtigten vollständigen Übernahme durch die Allianz verschwindet die Dresdner-Aktie faktisch als eigenständiges Wertpapier.