Allianz/Dreba "Solch große Klötze sind schwer zu führen"

Die konzeptlose Dresdner Bank hat sich in die Arme ihres allmächtigen Großaktionärs geflüchtet, meint Michael Klein, Chefanalyst bei Sal. Oppenheim. Im mm.de-Interview erläutert er die wahren Gründe für den Milliarden-Deal.

mm.de

: Die Allianz hat den Einstieg bei einer Bank bisher abgelehnt, warum jetzt die Übernahme der Dresdner Bank (Dreba)?

Klein: Die Dresdner Bank war permanent in irgendwelchen Diskussionen. Da anscheinend kein Partner - weder im Inland noch im Ausland - gefunden wurde, musste man sich jetzt etwas einfallen lassen. Die Moden wechseln halt. Ich bin mir sicher, dass man von dem "immer größer" in ein paar Jahren wieder weggehen wird. Solche großen Klötze sind halt sehr schwer zu managen. Wenn man ein Feuer gelöscht hat, bricht woanders gleich der nächste Brand aus. Das beste Beispiel ist DaimlerChrysler.

mm.de: Dennoch wurden die Vorteile der Übernahme am Montag in den schönsten Farben geschildert. Alles nur Blendwerk?

Klein: Große Synergien gibt es eigentlich nicht. Das Ganze ist eher eine Defensiv-Strategie, die unter dem Label "Neustrukturierung der Finanzlandschaft in Deutschland" verkauft wird. Denn die Dresdner Bank gibt es ja auch weiter noch.

mm.de: Aber nur noch als Marke. Eine Kooperation hätte doch genügt!

Klein: Solche Kooperationen müssen halt immer auch in Stein gegossen werden. Zwischen der Commerzbank und Generali zum Beispiel gibt es konkrete Vereinbarungen. So etwas wäre sicherlich auch zwischen Allianz und Dresdner Bank denkbar gewesen. Es hätte der Dresdner aber nicht geholfen, weil dadurch die Spekulationen um ihre Zukunft weitergegangen wären.

mm.de: Also hat sich die Dresdner Bank in die Arme der Allianz geflüchtet?

Klein: Ja, eindeutig. Bei den Zielen, die sich die Dresdner Bank auf die Fahnen geschrieben hatte, gab es strategische Probleme. Die Dresdner ist immer der Deutschen Bank hinterhergelaufen, die es ja mit Bankers Trust geschafft hat, "global" präsent zu sein. Die Dresdner hat dagegen nur die "Boutique" Wasserstein gekauft und sie der Dresdner Kleinwort Benson einverleibt. Da fehlte einfach der große strategische Wurf. Bernd Fahrholz hat weder in Europa noch in den USA wirklich einen Schritt nach vorne gemacht. Da blieb eigentlich nur der Blick zum Großaktionär übrig. Und da die Allianz ihre Probleme mit der Asset-Management-Seite hat, bietet sich die Kombination mit dem Fondsgeschäft der Dresdner Investment Trust an. Das ist aber auch einer der wenigen Punkte, die echte Synergien möglich erscheinen lassen.

mm.de: Sowohl Paul Achleitner als auch Leonhard Fischer haben im Gespräch mit mm.de die Vorteile für das Investmentbanking und das Firmenkundengeschäft betont. Die Argumente können Sie nicht überzeugen?

Klein: Vor einigen Jahren wollte die Dresdner den Verlustbringer Firmenkundengeschäft noch abstoßen, und heute soll dieser Bereich als Verkaufsplattform für die Investment-Produkte dienen. Das wird immer so ausgelegt, wie man es gerade braucht.

mm.de: Die Märkte scheinen den Deal ja sehr negativ zu interpretieren?

Klein: Ja, was soll es auch Positives geben. Es gibt kaum Synergien, und das Ganze hat einen defensiven Charakter. Das Einzige, was in Ordnung ist, ist der Preis für die Dresdner Bank. 53 Euro sind okay.

mm.de: Die Kapitalmärkte sind verstimmt, und es wird strategische Probleme statt Synergien geben. Warum tut die Allianz sich das an?

Klein: Vielleicht sind diese negativen Aspekte eine Art Bauernopfer, um die Dresdner Bank endlich aus der Schusslinie zu nehmen. Die Allianz selbst will sich mittelfristig im Vorsorgegeschäft mit Privatrenten und Sparplänen für die breite Masse aufstellen. Mit der nach der Übernahme erreichten Summe von über einer Billion Euro "Asset under Management" hat die Allianz jetzt schon eine Hausnummer, mit der sie sich in der Welt zeigen kann. Und nicht zuletzt gegenüber der Axa, dem europäischen Hauptkonkurrenten, wollte man sich positionieren. Die Übernahme von AGF im vergangenen Jahr war in Europa die letzte Möglichkeit für die Allianz, zusätzliches Prämien-Volumen einzukaufen.

mm.de: HypoVereinsbank und Münchner Rück scheinen das Allianz-Dreba-Modell für sich auszuschließen. Wie beurteilen Sie diese Reaktion?

Klein: Was sollen sie anderes sagen, ohne in den Verdacht zu kommen, sie würden alles abkupfern. Die Zusammenarbeit von HypoVereinsbank und Ergo wird eher an der langen Leine laufen.

mm.de: Können die Märkte den Allianz-Dreba-Deal noch verhindern?

Klein: Nein, dafür sind die Interessen zu eindeutig. Das kann jetzt nicht mehr zerstört werden, weil die Allianz schon Großaktionär ist und bei der Dresdner Bank im Aufsichtsrat sitzt. Da reden sowieso immer die gleichen Leute miteinander. Dem Aktionär bleibt gar nichts anderes übrig, als seine Aktien einzutauschen.

mm.de: Welches Szenario sehen Sie, wenn der Aktienkurs der Allianz wegen der vielen offenen Fragen noch stärker unter Druck gerät. Wird die Dresdner dann doch zerschlagen?

Klein: Nein, das wird die Allianz nicht machen. Würde die Allianz nur "Cherry Picking" betreiben und den Rest an die Konkurrenz verkaufen, würden sich viele Kunden von der Dresdner Bank abwenden.

Das Interview führten die mm.de-Redakteure Andreas Nölting und Arne Stuhr