Schifffahrt Große Schiffe - tiefer Hafen

Wilhelmshaven erhält einen Tiefwasserhafen. Kosten für das Projekt: über eine Milliarde Mark.

Hamburg - Die Regierungschefs der Bundesländer Hamburg, Bremen und Niedersachsen verständigten sich am Freitag in Hamburg auf Wilhelmshaven als Standort. Mitbewerber Cuxhaven ist ein Rennen. Für die Entscheidung seien betriebswirtschaftliche Gründe Ausschlag gebend gewesen, sagten die Politiker.

Rund 1,3 Milliarden Mark sollen nach den Worten des niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel insgesamt in die Region fließen, um bis zum Ende des Jahrzehnts die ersten vier Liegeplätze für Groß- Containerschiffe zu bauen. Mitbewerber Cuxhaven ist faktisch damit aus dem Rennen.

Neue Containerschiffe

Der Einstieg in die nächste Generation großer Containerschiffe, die Tiefwasserhäfen anlaufen müssen, steht unmittelbar bevor. Die Reederei China Shipping und die südkoreanische Werft Samsung hätten eine Absichtserklärung über den Bau von drei Schiffen unterzeichnet, die 9800 Standardcontainer (TEU) tragen können, berichtete die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ).

Die Wahl für Wilhelmshaven stieß bei Umweltschützern und den Grünen der drei Bundesländer auf Kritik. Für die Umweltverbände Aktionskonferenz Nordsee, WWF und BUND bedeutet der Zuschlag für Wilhelmshaven "eine der größten Zerstörungen im Wattenmeer der deutschen Nordseeküste seit dreißig Jahren".

Private Mittel erforderlich

Die Kosten für die Infrastruktur der Hafenanlagen in Höhe von 750 Millionen Mark sollen je zur Hälfte mit privaten und öffentlichen Mitteln bestritten werden. Hinzu kommen die Ausgaben für die Suprastruktur wie Kräne, Containerbrücken und Gebäude in Höhe von 550 Millionen Mark, die gänzlich privat aufgebracht werden.

Somit sind 925 Millionen Mark privates Kapital zum Ausbau des Hafens notwendig, der mit vier Liegeplätzen starten soll. Er wird von Unternehmen der norddeutschen Hafenwirtschaft betrieben und soll nach den Worten des bremischen Regierungschefs Henning Scherf (SPD) Ende dieses Jahrzehnts eröffnet werden.

Alternative zu Rotterdam

Um die Ansiedlung hatte sich neben Wilhelmshaven auch Cuxhaven beworben. Beide niedersächsischen Städte hatten in den vergangenen Monaten ihre Vorzüge für den jeweiligen Standort ins Feld geführt.

Der Hafen wird für riesige Schiffe mit Platz für mehr als 10.000 Standard-Containern benötigt. Er soll nach den Worten von Scherf auch eine "europäische Alternative" zu Rotterdam bieten.

Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde begründete die Entscheidung für Wilhelmshaven mit der wachsenden, schärfer werdenden Konkurrenz an den Nordseeküsten. "Das erfordert ein gemeinsames norddeutsches Vorgehen", sagte Runde. Wilhelmshaven habe aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Vorzug vor Cuxhaven erhalten.

Norddeutsche Kooperation

Gabriel wertete die norddeutsche Kooperation als Erfolg. Damit hätten sich die Länder eine "strategische Option" eröffnet, die Chancen unter anderem für den Arbeitsmarkt, die Hafenwirtschaft und die Logistik bringt. "Nach 1000 Jahren Hafenkonkurrenz liegt unsere Zukunft in der Kooperation in der Deutschen Bucht", ergänzte Gabriel.

Die Grünen in Niedersachsen, Hamburg und Bremen befürchten dagegen einen neuen "Rüstungswettlauf" der norddeutschen Hafenstädte. Als Konsequenz werde weder auf die Vertiefungen an Elbe und Weser noch auf Hafenausbaupläne in Hamburg und Bremerhaven verzichtet. Im Zusammenhang mit einer möglichen Elbvertiefung werde geprüft, ob dass ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar ist, stellten Runde und Gabriel klar.

Niedersachsen wird eine Planungsgesellschaft für den Tiefwasserhafen gründen, an der sich Wilhelmshaven, Bremen und Hamburg beteiligen können. Cuxhaven bleibe als Option bestehen, sollte Wilhelmshaven nicht realisiert werden können, sagte Runde.

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