EZB Der Hüter des Euros vor dem Abschied?

Spekulationen um Europas obersten Währungshüter. Geht Wim Duisenberg schon 2002?

Frankfurt/Main - Ausgelöst hatten die Spekulationen Äußerungen des Präsidenten der Osteuropabank, Jean Lemierre. Die italienische Tageszeitung "La Republica" zitierte Lemierre mit den Worten, Duisenberg werde in nächsten Jahr nach Einführung des Euro zurücktreten, also "etwa im April".

Der Niederländer Duisenberg war 1998 für acht Jahre zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) gewählt worden. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) zitiert Lemierre in seiner Mittwochausgabe: "Jeder weiss, das es vier Jahre sind, also bis 2002. Niemand weiß, wann genau er 2002 zurücktreten wird."

Aus deutschen Regierungskreisen habe es dagegen geheißen, die EZB-Spitzenposition sei in den vergangenen bilateralen Gesprächen zwischen Deutschland und Frankreich kein Thema gewesen und dürfte auch bei dem bevorstehenden Ministertreffen in Rouen keine Rolle spielen.

Gerangel mit Frankreich

Lemierre war als hoher Beamter des französischen Finanzministeriums an den Verhandlungen des EU-Gipfeltreffens beteiligt, bei dem Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac mit dem Versuch gescheitert war, gegen deutschen Widerstand Jean-Claude Trichet als ersten EZB-Präsidenten durchzusetzen. Anschließend hatte er versucht, wenigstens ein Datum für ein vorfristiges Ausscheiden Duisenbergs zu erreichen.

Die Osteuropabank (ERBD) hat unterdessen versucht, die Bemerkungen ihres Präsidenten herunterzuspielen. Die ERBD habe keine speziellen Kenntnisse von den persönlichen Plänen Duisenbergs und bedauere jeglich Missinterpretation, sagte eine Sprecherin.

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