Börsenbarometer Zwischen zwei Welten

Als Michael Frenzel - SPD-Mitglied und Friedel-Neuber-Zögling - Preussag-Chef wurde, ahnte wohl kaum einer, dass er den Industrie-Konzern so aufmischen würde.

Hamburg - Männlich, zwischen 30 und 49 Jahre alt, weniger als 3000 Mark Haushaltseinkommen (netto) und eine niedrige Schulbildung: Das ist nicht etwa der typische Pauschaltourist bei TUI sondern statistisch gesehen genau der Privatanleger, der Michael Frenzel am ehesten zutraut, Preussag auch künftig auf der Erfolgsspur zu führen.

Insgesamt sind nur 36 Prozent der Privatanleger von Frenzels Management-Fähigkeiten überzeugt. Fast genau so vielen fällt bei seinem Namen gar nichts ein. Frenzels Pech: Der promovierte Jurist ist eben kein "Lautsprecher" sondern ein "Arbeitstier".

Dabei kann sich seine Bilanz wirklich sehen lassen. Er hat aus dem Mischkonzern (Kohle, Stahl und Schmieröl) den größten Tourismus-Konzern der Welt gemacht. Statt Schwerindustrie also Freizeit und gute Laune.

Diese ist vor allem den jüngeren Anlegern vergangen. 43 Prozent der unter 30-jährigen trauen dem "Manager des Jahres 2000" keine Wertsteigerung seines Unternehmens zu.

Auch der Aktienkurs hilft zurzeit nicht, die Stimmung der Anleger zu heben. Zwar hat Frenzel von seinem Amtsantritt als Preussag-Chef (1994) bis Ende 1999 den Kurs von 20 auf 60 Euro verdreifacht, Anleger, die zu diesem Höchstkurs einstiegen, mussten aber bis heute fast 50 Prozent Verlust verkraften.

Großaktionär GEV, der 32 Prozent der Anteile besitzt, dürfte trotzdem keine Schwierigkeiten machen. Handelt es sich bei der "Gesellschaft für Energie –und Versorgungswerte" doch um eine Tochtergesellschaft der WestLB. Und dort war Frenzel nicht nur die rechte Hand von Vorstands-Chef Friedel Neuber, sondern in seiner Funktion als Beteiligungsmanager auch für Preussag zuständig.

Unter den Manager-Kollegen genießt Frenzel weiterhin größtes Ansehen. So soll er als neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn helfen, den Staatsbetrieb wettbewerbsfähig zu machen. Und auch bei Volkswagen rückt der Preussag-Chef demnächst ins Kontrollgremium.

Arne Stuhr

Michael Frenzel: Der Manager des Jahres 2000

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