Formel 1 Die Fronten bröckeln

Konstrukteure verhandeln mit EM.TV und Kirch über eine Beteiligung an der SLEC.

Frankfurt - Der Filmrechtehändler EM.TV und sein neuer Anteilseigner Kirch führen Branchenkreisen zufolge erste Gespräche mit den in der Formel 1 engagierten Autoherstellern über eine mögliche Beteiligung der Konstrukteure an der Holding SLEC. "Die ersten Gespräche finden gerade statt, aber eine mögliche Struktur der SLEC ist noch offen", sagte ein Vertreter der Branche.

An den Gesprächen sei auch die Kirch-Gruppe beteiligt, hieß es weiter. Der Geschäftsführer des Münchener Medienkonzerns, Dieter Hahn hatte bereits erklärt, grundsätzlich für eine breitere Gesellschafterstruktur bei der SLEC offen und zu Gesprächen mit den Autoherstellern bereit zu sein. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hatte Gespräche mit Kirch allerdings strikt abgelehnt.

Kirch hatte von EM.TV knapp die Hälfte deren 50-prozentigen Anteil an der SLEC erworben und will die gemeinsame Beteiligung durch die Ausübung einer Option auf insgesamt 75 Prozent aufstocken. Die Zahlung von knapp einer Milliarde Dollar, die Banken dem Medienkonzern bereits garantiert haben, ist am 30. März fällig. Die Autohersteller sind ihrerseits an einem Einstieg an der SLEC interessiert, die die Fernsehrechte an der publikumsstarken Rennsportserie hält.

In Medien-Berichten hieß es ohne die Erwähnung von Quellen, es sei wahrscheinlich, dass Kirch und EM.TV rund 35 ihrer 75 Prozent an der SLEC letztlich an die Rennställe abgeben würden. Sprecher von Kirch und EM.TV wollten das nicht kommentieren. In den Branchenkreisen hieß es weiter, dass nicht alle Autohersteller die starre Haltung von Hubbert einnähmen. "Die Hersteller stellen keine einheitliche Front dar und das macht die Sache für Kirch und EM.TV ein bisschen einfacher", hieß es.

Unterdessen berichtete die britische "Financial Times", die Generalversammlung des Automobilsportverbandes FIA habe grundsätzlich zugestimmt, dass die SLEC die Übertragungs- und Vermarktungsrechte für die Formel 1 für weitere hundert Jahre erhalte. Dafür müsse die SLEC 360 Millionen Dollar an die FIA zahlen, davon 351 Millionen bereits innerhalb der nächsten 30 Tage. SLEC-Chef Bernie Ecclestone habe 30 Tage Zeit, um einen endgültigen Vertrag zu schließen. Auf Nachfrage sagte ein FIA-Sprecher sagte, man werde dies derzeit nicht kommentieren.

Ecclestone, der die restlichen 25 Prozent an der SLEC hält, sei bereit, 360 Millionen Dollar (790 Millionen Mark) für die Rechte zu zahlen, davon 309 Millionen Dollar sofort und den Rest später, heißt es in dem Bericht. Ein Kirch-Sprecher sagte, der Konzern halte mit Ecclestone regelmäßig Kontakt.