Nationalstolz Wirkung verpufft

Die Patriotismus- und Anti-Trittin-Kampagne der Union scheint ihr Ziel zu verfehlen.

Berlin - 61 Prozent der Bundesbürger schlossen sich der von CDU/CSU und FDP kritisierten Ansicht von Bundespräsident Johannes Rau an. Rau hatte in der Diskussion um Umweltminister Jürgen Trittin gesagt, er mache sich den Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein", nicht zu eigen. Man könne nur stolz sein auf etwas, das man selbst zu Wege gebracht habe.

Nur 26 Prozent wiedersprachen in einer Repräsentativumfrage der Meinung des Staatsoberhauptes, ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Nachrichtensenders N24.

Trittin hatte den CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer mit einem Skinhead verglichen. Hintergrund war die Äußerung Meyers: "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein."

Die von CDU/CSU und FDP verlangte Entlassung Trittins lehnten 49 Prozent ab. 36 Prozent waren für den Rauswurf des Ministers.

CDU weitet Unterschriftenaktion aus

Die CDU in Rheinland-Pfalz dehnte ihre umstrittene Unterschriftenaktion gegen Trittin am Freitag auf das ganze Land aus. Bis Samstag liegen an rund 500 Informationsständen der Partei zur Landtagswahl Listen mit der Forderung nach Trittins Rücktritt aus.

Die Aktion wird nach Ansicht der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel die Wähler ihrer Partei mobilisieren. "Ich glaube, dass das Ergebnis besser wird als gedacht", sagte sie in Frankfurt. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) werde Probleme wegen einer geringen Wahlbeteiligung haben.

Kanzler Schröder: "Nicht einmischen"

Der SPD-Vorsitzende und Bundeskanzler Gerhard Schröder befürchtet, dass die Kampagne Vertrauen in die Redlichkeit der Politiker beschädigen könne. Seinen Parteifreunden riet er am Donnerstagabend bei einer Kundgebung in Koblenz, sich an der Debatte über die Kampagne der Rheinland-Pfälzer CDU nicht zu beteiligen. "Mischt euch da bitte nicht ein. Lasst sie Plakate und hässliche Fotos kleben."

Die Sozialdemokraten sollten besonnen sagen: "Wir sind Patrioten. Wir müssen das nicht jeden Tag vor uns hertragen."

Auch SPD-Kritik an Trittin

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering kritisierte Trittins Äußerung, aber auch die Unterschriftenkampagne der CDU scharf. "Der Trittin war bekloppt, dass er das gesagt hat", sagte er in der ZDF-Talk-Show "Berlin Mitte". Trittin sei allerdings als Umweltminister ein guter Minister und werde bleiben.

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn nannte Spekulationen, nach der Wahl werde Trittins Sturz erwartet, "völligen Quatsch". Ähnlich hatte sich auch Grünen-Chef Fritz Kuhn geäußert.