Lufthansa Schlechte Aussichten für die Aktionäre

Warnstreiks behindern den Flugverkehr. Gerüchte über schrumpfende Gewinne sorgen für Turbulenzen.

Frankfurt am Main/Hamburg - Von Tarif-Warnstreiks an deutschen Flughäfen sind am Freitagmorgen nach Angaben der Lufthansa 10.000 Fluggäste betroffen gewesen. 100 Flüge seien gestrichen worden, erklärte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Die Airline zeigte sich zuversichtlich, die Staus an den Flughäfen bis zum Mittag auflösen zu können.

Die Verzögerungen sind nicht die einzige schlechte Nachricht für Lufthansa-Chef Jürgen Weber. Nach dem zweitbesten Ergebnis der Unternehmensgeschichte im Vorjahr müsse sich die Airline für 2001 auf einen Sinkflug beim operativen Gewinn einstellen; berichtet die "Financial Times Deutschland". Das gehe aus einem aktuellen Papier des Konzernvorstands hervor, das der Zeitung vorliegt.

Nach dieser Analyse, die auf Zahlen des Lufthansa-Konzernbudgets Bezug nehme, sinke der operative Gewinn von 1040 Millionen Euro (gut zwei Milliarden Mark) im Jahr 2000 auf 650 Millionen Euro in 2001. Gravierender sei noch, dass der neu geschaffene Unternehmenswert für die Aktionäre sich spürbar vermindere: Die Kennziffer Cash Value Added (CVA) falle in diesem Jahr auf 27 Millionen Euro - ein Minus von 95 Prozent.

Der CVA misst, wie viel Geld nach Abzug der Kosten zur Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital vom Gewinn in der Kasse verbleibt. Im Jahr 2003 solle der CVA bei 239 Millionen Euro liegen - das sei weniger als die Hälfte des 2000er Wertes, der bei 526 Millionen Euro gelegen habe.

Auch wenn das Lufthansa-Budget sehr vorsichtig kalkuliert sei, erscheine es ausgeschlossen, dass der Carrier an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen könne. Der Lufthansa mache insbesondere die sich rasch abkühlende Konjunktur in den USA zu schaffen.

Die Lufthansa hält dagegen

Die Lufthansa wies den Bericht auf Anfrage zurück. Die Größenordnung der genannten Zahlen spiegele nicht den "gegenwärtigen Kenntnisstand der Lufthansa wider", sagte eine Konzernsprecherin am Freitag. Und weiter: "Wir wissen nicht, auf welche Unterlagen sich die FTD bezieht." Zu den genauen Erwartungen der Fluggesellschaft wollte sie keine Angaben machen. Die Sprecherin kündigte lediglich an, der Vorstand werde am 27. April auf der Bilanzpressekonferenz eine Prognose abgeben.