Deutsche Telekom Ende der Sommer-Zeit

Nach Informationen von mm.de steht ein Nachfolger für den umstrittenen Konzernchef in den Startlöchern.

Bonn - Als Favorit auf den Chefsessel bei der Deutschen Telekom gilt Gerd Tenzer. Der 57-Jährige soll - so wünschen es zahlreiche Arbeitnehmervertreter - interimistisch den Posten übernehmen, bis eine geeignete Person gefunden wird. Tenzer gehört seit über elf Jahren dem Vorstand an und ist seit 1994 für Einkauf, Netze und Ökologie zuständig. Zwar gilt er nicht als Medienstar vom Schlage Sommers. Wegen seiner integrativen Fähigkeiten ist er für viele Beschäftigte aber eine ideale Alternative zum arrogant und unnahbar wirkenden Sommer.

Tenzer war schon einmal als Chef der Telekom im Gespräch. Nach dem Verzicht von Helmut Ricke auf eine Fortsetzung seiner Amtszeit war das SPD-Mitglied für den Posten im Gespräch. Doch der Aufsichtsrat bestellte Sommer im Frühjahr 1995 zum Vorstandsvorsitzenden des Bonner Unternehmens.

Wechsel nicht vor Mai

Hinter dem angestrebten Wechsel von Sommer auf Tenzer steckt eine Gruppe von Führungskräften, die der SPD nahe stehen sollen. Sie suchen laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" das Gespräch mit Bundesfinanzminister Hans Eichel und Kanzleramtsminister Hans Martin Bury. Die Rebellen wollen auf eine Ablösung Sommers drängen. Mit Tenzer können sie schon eine Alternative präsentieren. Als weitere Top-Personalie wird hausintern auch Vertriebsvorstand Josef Brauner gehandelt. Noch aber hält die Bundesregierung zu Sommer.

Doch so schnell wird Sommer seinen Posten nicht räumen müssen. Insider rechnen damit, dass erst der Deal mit VoiceStream abgewickelt und die Hauptversammlung im Mai abgewartet werden soll.

Für Sommer wird es eng

Gerüchte um eine bevorstehende Ablösung haben Sommers Amtszeit stets begleitet. Ernsthaft in Gefahr geriet er aber nie.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Sommer muss erstmals um seinen Posten bangen: Der Absturz des als Volksaktie stilisierten Telekom-Papiers an der Börse wird in erster Linie ihm angelastet. Dazu kommt die Neubewertung der Immobilien, die die Aktien-Talfahrt zuletzt beschleunigte. Aus der Politik mehren sich die Rufe nach seinem Rücktritt, Kleinaktionäre wollen klagen und nun noch der interne Aufstand. Insider glauben: Das überlebt der Telekom-Chef nicht.

Fahndung nach SPD-Sympathisanten

Sommer nimmt die Situation scheinbar ernst. Nach Informationen von manager-magazin.de ließ er überprüfen, wer in seinem Führungszirkel ein SPD-Handbuch in der Tasche hat und somit ein potenzieller Oppositioneller ist.

Nach außen hin wurde am Montag jegliche Existenz von einer gegen Sommer opponierenden Gruppe dementiert. Mehrere zur Gruppe von 300 führenden Managern zählenden Mitarbeiter gaben an, nichts von einer Managergruppe zu wissen, die Sommers Ablösung betreiben wolle. Es gebe "keine Revoltenstimmung" gegen den Konzernchef.

Ein Brief mit Folgen

Auslöser für die "Palastrevolution" ist ein interner Brief Sommers an die 300 Führungskräfte vom 21. Februar. In dem Schreiben mit dem Titel "Wir werden unsere Stärken offensiv kommunizieren", das manager-magazin.de exklusiv veröffentlicht, gibt Sommer den Medien am Niedergang der T-Aktie und dem schlechten Erscheinungsbild des Unternehmens die Schuld. Die Berichterstattung werde von zahlreichen Vermutungen und Halbwahrheiten geprägt, meinte er. Zugleich kündigte er an, "die Finanzkommunikation weiter" zu verstärken.

Viele Telekom-Manager sehen in dem Schreiben nur einen Beleg für Sommers Realitätsferne und werfen ihm "mangelnde Managementqualitäten" vor.

Arbeitnehmervertreter bekommen Zweifel

Auch auf Arbeitnehmerseite wächst der Unmut über den Telekom-Lenker. Die Mitarbeiter befürchten die Zerschlagung des Konzerns und haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Sollten sich die Arbeitnehmervertreter ebenso gegen Sommer stellen, wäre er endgültig nicht mehr zu halten, glauben Beobachter.

Erwartetes Dementi

Die Reaktion des Unternehmens auf die Meldung von manager-magazin.de fiel erwartungsgemäß aus. "Das ist absurd", sagte ein Sprecher der Telekom am Dienstag. Die Spekulationen entbehrten jeder Grundlage. Der Vorstand des Unternehmens habe sich hinter die Strategie und damit letztlich auch hinter Sommer selbst gestellt. Auch Bundesregierung und Aufsichtsrat hätten Sommer in der vergangenen Woche ihr Vertrauen ausgesprochen.

Claas Hennig

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