Wachstum Die Zahlen werden nach unten korrigiert

Alles Schönreden nützt nichts. Die Geschäfts-Erwartungen in Deutschland machen wenig Mut.

Wiesbaden - Der Ölpreisanstieg hat dem Wirtschaftswachstum in Deutschland Ende 2000 einen deutlichen Dämpfer versetzt. Das Bruttoinlandsprodukt erreichte im vierten Quartal mit plus 1,9 Prozent den niedrigsten Zuwachs im Jahr 2000. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden korrigierte am Donnerstag die Zahl für das Gesamtjahr von 3,1 Prozent auf nunmehr 3,0 Prozent leicht nach unten. Die privaten Konsumausgaben hätten schwächer zugenommen als erwartet.

Streit der Experten

Über den Konjunkturverlauf in diesem Jahr sind sich die Experten uneinig: Bank-Fachleuten zufolge könnte das Wachstum 2001 niedriger ausfallen als bisher angenommen. Sie sehen das BIP bei unter 2,5 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) prognostizierte dagegen ein Wachstum von 2,8 Prozent. Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass die Konjunktur im Laufe dieses Jahres wieder "deutlich an Fahrt gewinnen" wird. Die Kaufkraft der privaten Haushalte sei Ende 2000 vom Ölpreis "deutlich beeinträchtigt" worden.

Im dritten Quartal 2000 hatte das Wachstum noch bei 2,8 Prozent im Jahresvergleich gelegen, im zweiten bei 3,5 Prozent und im ersten sogar bei 3,7 Prozent. Nach Angaben der Statistiker legten die Ausgaben im vierten Quartal für den privaten Konsum nur um 0,5 Prozent zu und auch die Anlageinvestitionen entwickelten sich mit plus 0,7 Prozent nur mäßig.

Wachstum von weniger als 2,5 Prozent

Konjunkturexperte Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, man werde wohl bei den Prognosen für 2001 noch einmal die Schere ansetzen müssen. Es werde ein Wachstum von weniger als 2,5 Prozent erwartet. Ein Anspringen des privaten Konsums werde erst im Frühjahr/Sommer erwartet. Der Impuls aus der Steuerreform brauche offenbar länger und die Entspannung beim Ölpreis scheine sich noch nicht in stärker erhöhtem Konsum niederzuschlagen.

Positiv sei, dass sich die erwartete Abschwächung der Exporte angesichts der Konjunkturabkühlung in den USA bis jetzt noch nicht ausgewirkt habe. Diese werde aber früher oder später kommen.

Konjunkturexperte Hans Jäckel von der DG Bank rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum in Deutschland von 2,4 Prozent. Derzeit sei zwar noch keine Abschwächung des Exportes zu erkennen. Dies sei jedoch absehbar. Jäckel schloss nicht aus, dass das Wachstum in Europa im ersten Quartal bei nahezu null liegen könnte. Die Wachstumsdelle in USA sollte im Sommer allerdings überwunden sein und dann fast gleichzeitig auch in Europa.

Europa ist unabhängig von den USA

Dresdner Bank-Chef Bernd Fahrholz betonte in einem Vortrag, die Eurozone gehe mit den besten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit Ende der 60er Jahre ins Rennen. Vorbei seien die Zeiten, "in denen Europa eine Lungenentzündung bekam, wenn die USA sich erkälteten".

Der DIHT rechnet mit einer robusten Konjunktur, registriert aber einen nachlassenden Schwung gegenüber dem Vorjahr. In der traditionellen Frühjahrsumfrage hieß es, die Beschäftigung könne sich um 300.000 Stellen verbessern (Vorjahr: 580.000). Die Beschäftigungspläne der meisten Unternehmen seien nicht mehr so expansiv wie im vergangene Herbst. Einen harten Absturz der US-Wirtschaft erwartet der DIHT nicht.

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