Fußball-Rechte "Nichts ist unmöglich"

Im Kampf um die WM-Ausstrahlung erwägt die ARD nun eine Kooperation mit RTL oder Sat1.

München/Köln - Die ARD gibt die Fernsehrechte an den kommenden Fußball-Weltmeisterschaften noch nicht verloren. Ihr Sprecher Rüdiger Oppers erklärte am Montag in Köln, Live-Übertragungen von den WM-Spielen 2002 und 2006 seien weiterhin das Ziel. Der Geschäftsführer der KirchGruppe, Dieter Hahn, habe "die Tür zugemacht, er muss sie wieder öffnen".

Die ARD sei zuversichtlich, sagte Oppers. "Im Leben sieht man sich mindestens zweimal." Für den Fall, dass mit Kirch keine Einigung zu erzielen sei, schloss Oppers auch eine Kooperation mit RTL oder Sat1 nicht aus: "Nichts ist unmöglich."

Hahn hatte in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" am Sonntagabend erklärt, die KirchGruppe habe die Tür nicht zugemacht. Daher sei es auch nicht an ihr, diese wieder zu öffnen.

Das ZDF könne sich einen Vertrag mit dem Rechteinhaber, der Münchner KirchGruppe weiterhin vorstellen, erklärte Sprecher Philipp Baum. Das ZDF sei schon mit dem Vorvertrag einverstanden gewesen, dessen Abschluss schließlich an den Einwänden der ARD gescheitert sei.

Pleitgen droht mit Verfassungsklage

Im Streit um die unabhängige Hörfunkberichterstattung droht die ARD mit einer Verfassungsklage. ARD-Vorsitzender Fritz Pleitgen betonte bei "Sabine Christiansen", dass Radioreporter wie schreibende Journalisten ein Recht auf freie Berichterstattung von den Fußball-WM hätten. Dagegen will die KirchGruppe nur den Radioreporter Zugang zu den Stadien gewähren, deren Sender die Übertragungsrechte erworben haben.

Andreas Herren vom Weltfußballverband FIFA in Zürich erklärte auf Anfrage der AP, dass sich Kirch und ISL mit dem Vertrag von 1996 auch die Radiorechte gesichert hätten. Die ARD beruft sich nach eigenen Angaben dagegen auf die Pressefreiheit. Sprecherin Gudrun Hindersin erklärte, dass es "die eigenständige Leistung" der Reporter sei, das Spiel wiederzugeben.

Ein Sprecher der bayerischen Staatskanzlei bestätigte die Position der ARD. Live-Berichterstattung im Hörfunk sei rechtlich unbeschränkt zulässig und daher nicht im Rundfunkstaatsvertrag der Länder eigens geregelt.

Bisher keine Verhandlungen zwischen Privatsendern und Kirch

Sat1 und RTL bekräftigten nochmals ihr Interesse an der Fußball-WM. Bisher habe es jedoch noch keine konkreten Verhandlungen mit Kirch gegeben, sagten Sprecher der Sender. RTL-Sprecherin Ingrid Haas widersprach Befürchtungen, die Werbung würde massive Ausmaße annehmen. Die Spiele würden nicht durch Werbung unterbrochen werden. Außerdem wiesen die Sprecher darauf hin, dass ARD und ZDF mit der Fußball-WM auch hohe Werbesummen erzielen würden.

Hahn bekräftigte in der ARD, dass mindestens 25 Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein werden. Laut Rundfunkstaatsvertrag müssen nur die sieben wichtigsten Spiele als Großereignisse unverschlüsselt gesendet werden.

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