Deutsche Bank Keiner ist schuld

Das Geldhaus hat gute Aussichten, unbeschadet aus dem Holzmann-Debakel hervorzugehen.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank hat gute Aussichten, wegen des Holzmann-Debakels nicht mit in die Verantwortung genommen zu werden. Zum Auftakt des vom belgischen Gevaert-Konzerns angestrengten Zivilverfahrens vor dem Frankfurter Landgericht gab der Vorsitzende Richter am Freitag deutlich zu erkennen, dass er der Klage gegen das Kreditinstitut nur geringe Chancen einräumt.

Soweit sich die Prospektbetrugs-Klage der Belgier gegen den Baukonzern Philipp Holzmann AG selbst richtet, könne er die Lage noch nicht einschätzen. Einen vom Gericht angeregten Vergleich lehnten Bank und Baukonzern ab, während sich die Gevaert-Anwälte zu diesem Thema nicht äußerten.

Gevaert verlangt 400 Millionen Mark

Der Risiko-Investor Gevaert verlangt insgesamt rund 400 Millionen Mark, weil er sich vom Börsenprospekt zur Kapitalerhöhung im Jahr 1998 erheblich getäuscht fühlt. In diesem Prospekt seien Altlasten in Höhe von 1,63 Milliarden Mark nicht berücksichtigt worden, was den beiden Beklagten mindestens als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden müsse.

Etliche dieser Risiken hätten den Beteiligten bekannt sein müssen. Die Belgier hatten damals einen 30-Prozent-Anteil an dem Frankfurter Traditionsunternehmen erworben, das im November 1999 nur knapp der Pleite entgangen ist.

"Die Risiken waren bekannt"

Die Beklagten wiesen hingegen auf den testierten Jahresabschluss 1997 hin, auf dessen Grundlage der Prospekt wesentlich erstellt worden sei. Darin sei ausreichend auf die Risiken hingewiesen worden - nach Auffassung des Bankenprimus sogar ungewöhnlich deutlich.

Der Deutsche-Bank-Vorstand Carl von Boehm-Bezing war Aufsichtsratsvorsitzender bei Holzmann und nach Meinung der Gevaert- Anwälte über alle finanziellen Details im Bilde. Die Deutsche Bank war bei der Kapitalerhöhung als Konsortialführer aufgetreten. Der Vorsitzende Richter wies darauf hin, dass Aufsichtsratsmandate an Personen gebunden seien, die zur Verschwiegenheit auch gegenüber ihrer Stammgesellschaft verpflichtet seien.

Gevaert der Querschläger

Die beiden beklagten Aktiengesellschaften Deutsche Bank und Holzmann lehnten einen Vergleich mit dem Holzmann-Großaktionär, der immer noch rund 13 Prozent der Anteile hält, ab. "Wer einmal 1,5 Milliarden Mark auf den Tisch gelegt hat, der hat sein Scherflein beigetragen", sagte der Bank-Anwalt Peter Heckel. Gevaert habe bei der spektakulären Rettung des Baukonzerns sein Einverständnis für den Sanierungsplan signalisiert und stelle sich nun quer.

Der Prozess wurde ins schriftliche Verfahren übergeleitet. Am 13. Juni soll eine Entscheidung verkündet werden.

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