RWE Schlappe für Neuber

Chef Kuhnt soll an die Spitze des Aufsichtsrats und den umstrittenen Bankier Neuber ersetzen.

Essen - Eine entsprechende Zeitungsmeldung wollte ein RWE-Sprecher am Freitag nicht kommentieren. Doch vieles deutet darauf hin, dass der 63-jährige Dietmar Kuhnt in das Kontrollgremium wechselt und WestLB-Chef Friedel Neuber an der Spitze des Aufsichtsrats ablöst.

Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" wollen Großaktionäre des Essener Energiekonzerns Kuhnt zu diesem Schritt bewegen.

Als "Kandidat" für die Kuhnt-Nachfolge gilt RWE-Vorstandsmitglied Richard Klein. Sein Makel allerdings: Ihm haftet das Image des Beamten an - keine gute Voraussetzung, um ein immer stärker international ausgerichtetes Unternehmen zu leiten.

Klein kommt aus dem kommunalen Lager. Der frühere Duisburger Oberstadtdirektor war Chef des Verbandes kommunaler RWE-Aktionäre. Die Kommunen halten noch 30 Prozent an RWE.

Nach Informationen von manager-manager.de sind Klaus Sturany und Manfred Remmel hingegen aus dem Rennen. Vor allem Remmel, Chef der Konzern-Tochter RWE-Plus, soll bei Kuhnt in Ungnade gefallen sein.

Wechselgerüchte nicht neu

Gerüchte, dass die Anteilseigner wie Deutsche Bank, Dresdner Bank und Allianz den 65-jährigen Neuber aus dem Konzern drängen und Kuhnt zum Chefkontrolleur ernennen wollen, sind seit längerem im Umlauf.

Angeblich möchten sie an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat Personen mit internationalem Renommée haben. Schließlich expandiere das Essener Unternehmen im Ausland und erwecke das Interesse von ausländischen Analysten und Finanzinstitutionen.

Zudem ist Neuber nicht unumstritten und wird zunehmend zu einer Belastungen für RWE. Der WestLB-Chef war lange Zeit einer der mächtigsten Wirtschaftslenker in Nordrhein-Westfalen. Sein Finanzinstitut ist aber in diverse Skandale verwickelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Neuber droht eine Anklage. Dazu kommt, dass die EU-Kommission seine WestLB teilen will. Kurz: Neubers Macht bröckelt.

Noch keine Neigung zum Abschied

Doch das Unterfangen, Kuhnt und Neuber zum Wechsel zu bewegen, ist nicht leicht. Der RWE-Chef hat noch einen Vertrag bis Ende 2002 und soll ebenso wie Neuber wenig geneigt sein, vorzeitig seinen Posten abzugeben.

Viele Beobachter glauben aber, dass der Zeitpunkt für Kuhnt, in den Aufsichtsratsvorsitz zu wechseln, günstig ist. Mehr als das, was er erreicht hat, kann er nicht mehr schaffen. Auf sein Konto geht unter anderem der Strategiewechsel zum Multi-Utility-Konzern, der 14 Milliarden Mark teure Kauf von Thames Water und die Fusion mit VEW.

Doch gerade die Fusion bringt viele Belastungen mit sich. Zudem soll ein heftiges Kompetenzgerangel im Konzern herrschen. All diese Probleme müsste dann Kuhnts Nachfolger erledigen.

Claas Hennig

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