Dienstag, 25. Juni 2019

Cerberus wird viertgrößter Aktionär der Deutschen Bank "Wir denken, dass es Chancen in Deutschland gibt"

Deutsche Bank Chef John Cryan unter Druck: "Cerberus ist ein Investor, der klare Forderungen stellen und auch die Strategie beeinflussen wird", glaubt Großaktionär Union Investment

Der US-Finanzinvestor Cerberus setzt seine Einkaufstour in Deutschland fort und beteiligt sich nach der Commerzbank Börsen-Chart zeigen nun auch am Flaggschiff Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen. Die Amerikaner sicherten sich einen Anteil von drei Prozent an Deutschland größtem Geldhaus im Wert von fast einer Milliarde Euro.

Damit steigt Cerberus zum viertgrößten Aktionär der deutschen Bank auf - nach dem chinesischen Konzern HNA, dem Emirat Katar und dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. An der Commerzbank - die immer wieder als langfristiger Fusionspartner der Deutschen Bank gehandelt wird - hält der Investor seit dem Sommer fünf Prozent.

Zu seinen Plänen hielt sich Cerberus bedeckt, sondern betonte lediglich, man glaube an die Stärke des deutschen Bankensektors und der deutschen Wirtschaft insgesamt und habe sich deshalb zu der Beteiligung entschlossen: "Wir denken, dass es angesichts der robusten deutschen Konjunktur, einer hohen Sparquote und anderer Faktoren attraktive langfristige Chancen im Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland gibt."

Mit dieser Aussage wird ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank wieder zu einer denkbaren Option. Beide Institute hatten im Sommer 2016 schon einmal lose Chancen eines Zusammengehens ausgelotet.

"Neue Dimension": Cerberus wird "klare Forderungen stellen"

Die Deutsche Bank erklärte, sie begrüße jeden Investor, "der an das Wertpotenzial der Aktie der Deutschen Bank glaubt". Die Papiere des Instituts stiegen im Tagesverlauf zum größten Gewinner im Dax auf, auch die Commerzbank-Aktie drehte ins Plus.

Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größeren Anteilseigner der Deutschen Bank, sieht in dem Einstieg von Cerberus eine "neue Dimension": "Denn Cerberus ist ein Investor, der klare Forderungen stellen und auch die Strategie beeinflussen wird."

Die Amerikaner sind seit längerer Zeit am deutschen Bankenmarkt interessiert und auch aktiv. So übernahm die von Cerberus kontrollierte österreichische Bank Bawag in diesem Jahr bereits die kleine Südwestbank aus Stuttgart.

Auch mit einer Übernahme der zum Deutsche-Bank-Konzern gehörenden Postbank hatte sich Cerberus in der Vergangenheit beschäftigt: Die Pläne hatten sich allerdings zerschlagen, weil die Deutsche Bank einen zu hohen Preis für die Tochter forderte. Diese wird nun komplett in den Konzern integriert.

Wer steckt hinter den Aktienkäufen von Morgan Stanley?

Cerberus ist nicht die einzige Veränderung im Aktionärskreis der Deutschen Bank. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die US-Investmentbank Morgan Stanley ihren Anteil über komplexe Finanzinstrumente aufgestockt hat und auf bis zu sieben Prozent der Stimmrechte zugreifen kann. Bislang ist völlig unklar, wer dahinter steckt und ob es eine Verbindung zu Cerberus gibt.

Als unwahrscheinlich gilt, dass Morgan Stanley die Optionen und Wertpapierleihegeschäfte auf eigene Rechnung getätigt hat. Vielmehr vermuten Branchenexperten einen oder mehrere Investoren, die sich nicht zu erkennen geben wollen - jedenfalls noch nicht.

Auch die Aufsicht tappt noch im Dunkeln, zumal sich ein neuer Großaktionär erst ab einem Anteil von zehn Prozent zu erkennen geben müsste. Eine Sprecherin der Finanzaufsicht BaFin wollte den Vorgang nicht kommentieren.

In Medienberichten war darüber spekuliert worden, dass sich ein aktivistischer Investor auf diese Weise an die Deutsche Bank heranpirschen könnte, um Strategie und Management unter Beschuss zu nehmen. Vorstandschef John Cryan gilt bei einigen großen Anteilseignern als angezählt, weil er ihrer Meinung nach bislang kein wirksames Mittel gegen die Erosion der Erträge und die Schwäche im Investmentbanking gefunden hat.

Lesen Sie hier den mm-Inside-Report über Cerberus

Von Hans Seidenstuecker und Andreas Framke, Reuters

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