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Sporttotal.tv: Die Technologie

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Sporttotal.tv Sporttotal vor dem Sprung nach Europa

Die Pilotphase von Sporttotal.tv ist beendet. Nach knapp sechs Monaten erreicht das Amateurfußballportal im Schnitt 15.500 User pro Spiel, dazu wurden wichtige Verträge mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Hyundai geschlossen. Jetzt steht Sporttotal kurz vor dem Sprung nach Europa.
Von Holger Rehm

Es war ein Aufschlag, der für eine Mischung aus Aufsehen und Neugierde, Skepsis und ungläubigem Stirnrunzeln gesorgt hatte. Wige Media hatte beim SPOBIS Ende Januar seine neue 100-prozentige Tochter Sporttotal.tv vorgestellt. Das Ziel des neuen Amateursportportals war nicht weniger, als die gesamte Sportübertragung und Medienvermarktung zu revolutionieren. "Wir wollen den Amateursport demokratisieren", lautete die Ansage von Wige-CEO Peter Lauterbach.

Ein ambitioniertes Ziel für ein junges Startup - in einem Markt, in dem Fußball in den Medien täglich rauf und runter gesendet wird. Ging der Plan von Sporttotal bislang auf?

Digital-Trumpf Fussball.de

Weil das Geschäftsmodell von Sporttotal auf eine Refinanzierung über Werbeerlöse angelegt ist, war es von Beginn an wichtig, Relevanz und Reichweite aufzubauen. Und das gelingt vor allem durch eine große Anzahl an Partnerclubs und übertragenen Spielen, die von Vereinsmitgliedern und anderen Fans auf der Sporttotal-App oder auf der Website des Unternehmens angeschaut werden.

Damit die Wige Media AG, die jüngst in Sporttotal AG umbenannt wurde, ihr Amateurfußballportal allerdings überhaupt erst zum Leben erwecken konnte, startete das Medienunternehmen im März dieses Jahres, zur Rückrunde der Saison 2016/17, eine Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Zunächst einmal zur Probe. Es wurde eine Pilotphase eingeläutet, an der sowohl der Bayerische Fußballverband mit seinen Bayernligen Nord und Süd als auch der Niedersächsische Fußballverband mit der Regionalliga Nord und der Oberliga Niedersachsen teilnahmen. Ziel war es, bis Mitte 2017 bei insgesamt 60 Vereinen die Kamerasysteme von Sporttotal zu verbauen. Dieses Ziel wurde im Sommer erreicht. Grund genug für den DFB und dessen Wirtschafts- und Vermarktungstochter DFB GmbH, die Partnerschaft mit Sporttotal.tv nun um gleich zehn Jahre (bis 2027) zu verlängern. Für Sporttotal macht diese Partnerschaft aus zweierlei Sicht Sinn.

  • Erstens hat Sporttotal durch seine Partnerschaft mit dem DFB eine direkte digitale Schnittstelle zu dessen Amateurfußballportal Fussball.de, das mit 3,6 Milliarden Page Impressions pro Jahr das größte der Welt ist. Lauterbach nennt die Partnerschaft mit Fussball.de ein "zentrales Asset", um sich "deutschlandweit als die Bewegtbildplattform für den Amateurfußball" zu etablieren. Ein Status, den Sporttotal allerdings erst noch erreichen muss.
  • Zweitens hat Sportottal durch die Kooperation mit dem Verband einen deutlich besseren Zugang zu den 21 Landes- und fünf Regionalverbänden sowie zu den zahlreichen Vereinen innerhalb des DFB. Zwar verfügt der Verband nicht über zentrale Medienrechte für den Amateurfußball, er hat jedoch enormen Einfluss auf seinen Unterbau. Und genau diesen Zugang braucht Sporttotal für sein erklärtes Ziel, den deutschen Amateurfußball in seiner ganzen Breite abzudecken. Das haben Projekte bewiesen, die sich entweder nur regional etablieren oder überhaupt nicht am Markt durchsetzen konnten.

Gespräche mit UEFA und IOC

Nach Niedersachen und Bayern soll in der aktuellen Wachstumsphase von Sporttotal nun der Amateurfußball in Westdeutschland folgen, konkret die Regionalliga West und die Oberliga Westfalen. Bis Ende 2017 wollen Lauterbach und Co. dann alle Regional- und Oberligen des DFB mit Kameras von Sporttotal versorgen, insgesamt rund 200 Systeme sollen dann verbaut sein.

Bis Ende des Jahres 2018 sieht der Businessplan 1500 Systeme im deutschen Amateurfußball vor, bis Ende 2019 sollen es dann 3000 sein. Spätestens dann sollen neben den Oberligen auch deutschlandweit alle Landesligen und Verbandsligen am Projekt teilnehmen.

Parallel zur Wachstumsphase in Deutschland will Lauterbach mit Sporttotal "relativ schnell den Schritt ins europäische Ausland schaffen". Nach dem Launch von Sporttotal hatten laut dem Wige-Chef in den vergangenen Monaten bereits verschiedene Fußballligen und Clubs vorgefühlt und sich für das Projekt interessiert. Neben ausländischen Fußballligen sollen zudem auch verschiedene Großverbände wie der Europäische Fußballverband (UEFA) oder das Internationale Olympische Komitee (IOC) großes Interesse an Sporttotal zeigen.

In Kürze soll es in einer Amateurfußballliga eines Nachbarlandes von Deutschland eine erste breitflächige Testphase geben. Das konkrete Land und die Spielklasse will Lauterbach noch nicht nennen, ebenso wenig die anfallenden Kosten oder das Einnahmepotenzial für Sporttotal. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich Lauterbach das Ausrollen seines Konzepts im Ausland gut bezahlen lässt und - anders als im deutschen Amateurfußball - nicht mit zweistelligen Millionenbeträgen in Vorleistung gehen muss.

Fünfstellige Abrufzahlen

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Für Lauterbach ist das Pilotprojekt im deutschen Amateurfußball ein Schaufenster, mit dem er zeigen kann, dass der Businessplan von Sporttotal für alle Seiten funktioniert. Für Vereine, die eine mediale Öffentlichkeit bekommen. Für Fans, für die ein neues Fußballprodukt geschaffen wurde. Und für die werbetreibende Industrie, für die sich eine Kommunikationsplattform aufgetan hat, die es so bislang noch nicht gab.

Bislang scheint der Schaufenster-Ansatz von Sporttotal zu funktionieren. Und das, obwohl die Plattform bislang kommunikativ noch kaum beworben wurde. Lauterbach sagt: "Das Produkt existiert eigentlich noch gar nicht und trotzdem wurden unsere Erwartungen bereits übererfüllt."

Als Beleg dafür nennt Lauterbach Zahlen, zum Beispiel die 15 500 Video-Views, die Sporttotal bislang durchschnittlich pro Spiel erzielt hat. Davon verfolgten rund ein Drittel der Nutzer die Spiele live. Über das gesamte Jahr gerechnet verzeichnete Sporttotal somit 3000 Klicks pro Spiel mehr als in Lauterbachs Planungen angenommen.

Vergleicht man die Werte mit anderen Mannschaftssportarten oder anderen Digitalprojekten im Sport wie beispielsweise Sportdeutschland.tv, so sind durchschnittlich 15.500 Views pro Spiel tatsächlich ein beachtlicher Wert für ein Pilotprojekt, das Amateurfußball von Provinzfußballplätzen zeigt, die darüber hinaus nicht einmal kommentiert werden. Zumal zu diesem Durchschnittswert von 15 500 Klicks bislang lediglich alle Live- und Highlight-Abrufe über die App, die Website oder den Facebook- Kanal von Sporttotal gezählt wurden. Nicht aber die Videos, die zusätzlich von der "Bild" gepostet werden.

Der Medienpartner von Sporttotal zeigt im Rahmen seines wöchentlichen Formats "Tore, Tritte, Trallala" immer mittwochs ausgewählte Amateurspiele von Sporttotal. tv und postet einzelne Partien außerdem auf der Facebook-Seite von "Bild Sport". Die Reichweiten liegen hier bei bis zu 430.000 Views pro Clip.

Regionaler Vertriebssupport

Parallel zur Reichweitenentwicklung kommt die Vermarktung von Sporttotal mittlerweile in Bewegung. Zusätzlich zu den drei Gründungspartnern Allianz Deutschland, Deutsche Post und Telekom Deutschland sowie Medienpartner "Bild" konnte Sporttotal jüngst einen weiteren großen Partner akquirieren: Der koreanische Automobilkonzern Hyundai schloss mit Sporttotal einen Dreijahresvertrag und wird damit bis 2020 auf der Plattform umfassend für seine Produkte werben.

Sporttotal hat es binnen wenigen Monaten also geschafft, vier Konzerne an sich zu binden, die nicht nur Sach- und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, sondern auch viel Geld bezahlen - auch weil diese neben ihren Partnerpaketen, zu denen auch Presentings und Rubriken-Sponsorships zählen, noch zusätzliche Medialeistungen einkaufen. Autobauer Hyundai beispielsweise, der gleichzeitig auch Partner des Fußball-Weltverbands (FIFA) ist, lässt sich das Engagement nach SPONSORS-Informationen über den gesamten Vertragszeitraum einen siebenstelligen Euro-Betrag kosten.

Für Partner erscheint ein Engagement bei Sporttotal vor allem deshalb sinnvoll, weil sie dadurch Zugänge zu einer lukrativen Zielgruppe (vor allem Jugendliche, junge Männer, aber auch Eltern und Großeltern) bekommen, die sie bislang teuer über klassische Werbung einkaufen mussten. Und weil sie ihren regionalen Händlern und Verkaufsstellen eine Plattform an die Hand geben, die diese für ihre regionale und lokale Aktivierung und damit für ihren Vertrieb nutzen können.

Ein Beispiel dafür ist die Allianz: Sicherlich wird das Münchner Versicherungsunternehmen auch weiterhin prominente Profisport-Sponsorships mit Strahlkraft belegen, wie das beim Bundesligisten FC Bayern München oder in der Formel 1. Schon seit Monaten konzentriert sich die Allianz parallel aber auch auf regionale und lokale Engagements. Da dürfte Lauterbachs Idee von Sporttotal für den Versicherer gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein.

Abschluss mit JvM/sports

Neben dem Ausrollen von Sporttotal auf ganz Deutschland und der Vorbereitung der Expansion ins europäische Ausland muss Sporttotal im nächsten Schritt nun vor allem Geld einsammeln. Dies klappt zum einen bereits über weitere Partner, die laut Lauterbach ebenfalls das Niveau der bisherigen Unternehmen haben sollen.

Der andere Umsatzhebel ist die Vermarktung von digitalen Werbeflächen. Dazu zählen vor allem klassische Video Ads, aber auch Presentings sowie Display- und Overlay-Werbung, die auf TKP-Basis vermarktet werden. Dafür hat Sporttotal im Frühjahr dieses Jahres den Vermarkter Media Impact ins Boot geholt.

Die Zielgruppe dürfte dabei die gleiche sein wie bei den Partnerpaketen: Baumärkte, Brauereien, Banken und weitere werbetreibende Unternehmen, die allesamt händeringend nach digitalen Werbe- und Kommunikationsplattformen suchen - mit einem ansprechenden Preis-Leistungs-Verhältnis und der richtigen Zielgruppe.

Fragt man Lauterbach nach dem bisherigen Vermarktungsstand, so hält sich dieser bedeckt. Lieber spricht er über die nächsten Schritte. Lauterbach weiß: Damit die Reichweiten von Sporttotal noch weiter steigen und Media Impact erfolgreicher vermarkten kann, braucht Sporttotal noch mehr Aufmerksamkeit, vor allem in der breiten Öffentlichkeit. Um diese zu erzielen, engagierten die Kölner vor Kurzem Jung von Matt/sports. Die Hamburger Agentur entwickelt derzeit für Sporttotal eine Kommunikationskampagne, die im Spätsommer 2017 geschaltet wird und wofür ein erhebliches Media-Spending investiert wird.

Die Wirkung der werblichen Unterstützung dürfte sich bereits nach wenigen Wochen an den Klickzahlen ablesen lassen. Ob das Projekt Sporttotal allerdings auch wirtschaftlich nachhaltig funktioniert, wird sich final erst in einigen Jahren zeigen. Geht es nach Sporttotal, so soll die Unternehmung schon in der Startphase profitabel agieren und zügig wachsen. Bis Sporttotal das investierte Geld zurückverdient hat, dürften allerdings ein paar Jahre ins Land gehen. Die Voraussetzungen, dass es gelingt, scheinen gut. Doch die Investitionen im zweistelligen Millionenbereich sind ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Das Konzept von Sporttotal

Bei Sporttotal werden deutsche Amateurvereine mit einer fest am Spielfeld installierten 180-Grad-Kamera-Technologie ausgestattet. In dieser Technologie sind 4K-Kameras eingebaut, die mithilfe einer speziellen Software Fußballspiele in hoher Qualität vollautomatisch live übertragen können.

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Durch die Technik können Fans von Amateurvereinen über die Sporttotal-App auf ihren mobilen Endgeräten, am Computer und in Zukunft auch per Smart-TV die Spiele ihrer Lieblingsteams live verfolgen. Die Software ermöglicht es darüber hinaus, dass eine unbegrenzte Anzahl an Zuschauern selbst Regie führen kann: Die Zuschauer können stoppen, vor- und zurückspulen, eine individuelle Perspektive einnehmen sowie die gewünschten Szenen anschließend in den sozialen Medien teilen. Darüber hinaus können sich Fans ab 30 Sekunden nach Spielende automatisch erstellte Highlights ansehen - quasi eine regionale "Sportschau" im Amateurfußball für jedermann.

Die Nutzung des Angebots ist für User kostenfrei. Auch hohe Einnahmen durch die Clubs sind von Sporttotal nicht vorgesehen. Die Vereine treten, vergleichbar mit dem Club Bertelsmann, als Mitglieder auf und bekommen im Gegenzug ein Kamerasystem. Ein Club bezahlt dafür einen überschaubaren Monatspreis in Höhe von 9,99 Euro, pro Jahr also knapp 120 Euro für seine Mitgliedschaft. Mit seinen 3000 anvisierten Mitgliedern (bis Ende 2019) würde Sporttotal auf drei Jahre gerechnet also lediglich etwas mehr als eine Million Euro wieder einspielen.

Das Portal finanziert sich stattdessen vorrangig durch Werbeerlöse. Und das muss es auch. Bei Sporttotal als Anbieter fallen pro Kamera nämlich Produktionskosten in Höhe von 10.000 Euro sowie weitere 10.000 Euro für die Einrichtung eines einzigen Kamerasystems an - in Summe also 20.000 Euro pro Verein.

Bei 3000 Kamerasystemen, die Sporttotal in den ersten drei Jahren im deutschen Amateurfußball einrichten will, würden allein für die Kamerasysteme und deren Betrieb bei einer Vollkostenrechnung Ausgaben in Höhe von 60 Millionen Euro anfallen. Geht man beim Kauf von 3000 Produkten von einer Degression im Einkauf aus, so dürften die Kosten der Kameras vermutlich im Bereich von 30 Millionen Euro liegen.

Der obige Text stammt aus SPONSORs, dem führenden deutschsprachigen Anbieter von Informationen aus dem Sportbusiness.

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