Jens-Uwe Meyer

Unternehmensstrategien im Zeitalter des Protektionismus Trump eröffnet neue Chancen - nutzen Sie sie!

Land of the Trump: Uncle Sam hat´s derzeit schwer

Land of the Trump: Uncle Sam hat´s derzeit schwer

Foto: MICHAEL NAGLE/ AFP
Jens-Uwe Meyer

Dr. Jens-Uwe Meyer ist Vorstandsvorsitzender der Innolytics GmbH, Autor und internationaler Keynote Speaker. Mit 13 Büchern (u.a. "Digitale Gewinner", "Digitale Disruption") und mehr als 250 Artikeln zählt er zu den Vordenkern für Digitalisierung und Innovation in Europa.
www.jens-uwe-meyer.de 

Zeiten des radikalen Wandel sind das Fundament, auf dem innovative Unternehmer ihre Produkte und Strategien aufbauen. Wann entstanden Konzerne wie Siemens  und General Electric ? In Zeiten des radikalen industriellen Wandels. Wann blühten innovative Mittelständler auf? Als Deutschland nach dem Krieg in Trümmern lag. Und was war der Grundstein des Silicon Valley? Die digitale Revolution, die Unternehmen wie Google deutlich früher erkannten als Mitbewerber in anderen Ländern. Mit der Präsidentschaft von Donald Trump bricht wieder ein Zeitalter des radikalen Wandels an. Über die Gefahren wurde genug berichtet. Schauen wir auf die Chancen: Wie können Unternehmen von der Ära Trump profitieren? Mit welchen Strategien können sie zu Gewinnern des Wandels werden?

1. Amerika ist jetzt richtig uncool. Nutzen Sie es!

Es gab einmal Zeiten, da waren Coca-Cola -Cola und der Marlboro Man der Inbegriff der Freiheit. Die Marken verkörperten die Sehnsucht nach dem American Way of Life. Und jetzt? Geraten Sie beim Wort "Amerika" aktuell in Verzückung? Assoziieren Sie es mit der großen Freiheit? Weiter so, Donald! Make American Brands Uncool Again! Zwar werden McDonald's 's und Kentucky Fried Chicken nicht gleich morgen die Kunden weglaufen. Aber wenn Sie beispielsweise eine deutsche Burger-Kette starten möchten, können Sie in den nächsten vier bis acht Jahren getrost darauf bauen, dass Donald Ihnen bei der Geschäftsentwicklung tatkräftig hilft.

Fritz Kola und Club Mate treffen heute bereits das Lebensgefühl vieler Deutscher besser als amerikanische Brause. Freuen wir uns also auf innovative neue Produkte und Start-ups, die den Abschied vom American Way of Life geschickt für sich nutzen. Denn ob es eine Marke will oder nicht - die Regierung eines Staates hat einen großen Einfluss auf die Reputation von Unternehmen. Deshalb hat es auch der Russian Way of Life in unseren Märkten ziemlich schwer. Mit dem neuen Lada vorfahren? Uncool!

2. Setzen Sie auf das zunehmende Sicherheitsbedürfnis!

Es war in den vergangenen Jahren nicht einfach, deutsche Mittelständler davon zu überzeugen, Unternehmensdaten vom Chef-PC in die Cloud zu verlagern. Irgendwann war das Vertrauen zögerlich da. Und so lagern Unternehmensdaten heute bei Diensten wie Dropbox und Evernote, interne Nachrichten werden über iMessage und Google Mail verschickt. Lange hatten Sie als deutsches IT-Unternehmen dem wenig entgegenzusetzen, die Lösungen aus dem Silicon Valley waren einfach bedienerfreundlich und dank der internationalen Datenschutzabkommen auch "sicher".

Und jetzt? Wenn Sie in Deutschland Software entwickeln und ein deutsches Rechenzentrum nutzen, ist Donald Ihr bester Werbepartner. Ihr Mitbewerber ist ein amerikanischer Softwareanbieter? Wow! Da werden Sie künftig nur den Namen des amerikanischen Präsidenten erwähnen müssen. Am besten gleich sein Foto in Ihre Verkaufsunterlagen einbauen. Und dann die rhetorische Killerfrage: "Möchten Sie ihm Ihre Unternehmensdaten anvertrauen?"

Zugegeben, bereits Barack Obama hatte deutschen IT-Anbietern mit dem Überwachungsskandal eine kostenlose PR geschenkt, die sich keines der Unternehmen aus eigener Tasche hätte leisten können. Aber Donald setzt noch einen drauf.

Mr. President, wir würden Ihnen gerne eine Verkaufsprovision überweisen. Aber das geht leider nicht. Sie dürfen ja kein Geld aus dem Ausland annehmen.

Amerika verabschiedet sich aus Wachstumsmärkten

3. Amerika verabschiedet sich freiwillig aus Wachstumsmärkten

Wann erlebt man so etwas? Einer der größten Staaten zieht sich freiwillig aus einem der spannendsten Märkte zurück. Und überlässt der internationalen Konkurrenz das Feld. Green Tech, also Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich Energieeffizienz, bleibt - und da kann Trump machen was er will - künftig eines der weltweit wichtigsten Absatzfelder.

Die Luft wird von alleine nicht sauberer, Eisberge hören nicht auf zu schmelzen und die Menschen werden nicht weniger. Mitten in dieser Phase kommt eine amerikanische Regierung und sagt: "Das war alles eine Erfindung der Chinesen." Das ist so, als hätte man die Fabriken von Henry Ford abgeschrieben und gesagt: Zurück zur Kutsche! Schlechte Zeiten für Green-Tech-Unternehmen in den USA - Ihre Chance als innovatives Unternehmen! Wenn die nächste klimafreundliche US-Regierung an die Macht kommt, wird sie feststellen: In diesem Markt ist das Land technologisch leider abgehängt.

4. Bauen Sie neue Absatzmärkte auf

Das Wort Innovation wird vielfach mit technischer Entwicklung gleichgesetzt. Doch Innovation ist viel mehr. Marktinnovation - die Entwicklung neuer Märkte mit Produkten und Dienstleistungen, die auf diese Region angepasst sind. Mit den USA und Großbritannien stehen zwei der drei wichtigsten Handelspartner zumindest aktuell auf wackeligen Füßen. Haben Sie Australien schon einmal in Betracht gezogen? Indien oder Brasilien? 2015 waren die Staaten Platz 30 beziehungsweise 26 und 27 auf der Liste der Handelspartner . Haben Sie schon einmal von PCA gehört? Das Partnership and Cooperation Agreement, das zwischen der EU und dem - gemessen an der Bevölkerung - viertgrößten Staat der Welt ausgehandelt wurde. Welcher Staat ist das? Indonesien. Rund 240 Millionen Einwohner.

Auch Afrika wird von Unternehmensberatungen und dem BDI als großer Wachstumsmarkt angesehen. Doch deutsche Unternehmen sind dort noch zurückhaltend. Ach so, nicht zu vergessen: China. Es könnte sein, dass sich das Land von den USA aktuell ein bisschen gekränkt fühlt. Vielleicht schaffen Sie jetzt genau das, was der neue amerikanische Präsident so liebt: einen guten Deal machen.

Die Politik von Donald Trump - ein Wink, nein besser einen Schlag mit dem Zaunpfahl, in neue Richtungen zu denken.

Thank you for the Sales Pitch, Donald. Terrific!

Der Wandel beschleunigt sich - und das ist gut so

Dass sich die Wirtschaft immer schneller wandelt, ist fast schon eine Managementphrase. Jetzt ist der Wandel blitzschnell da. Und dazu noch in einer vollkommen unerwarteten Richtung. Müssen Unternehmen davor Angst haben? Nein, es ist das Zeitalter unternehmerischer Kreativität. Achten Sie in den nächsten Wochen nicht so sehr darauf, was Donald Trump sagt. Das ist ohnehin kaum zu überhören. Achten Sie auf das, was er nicht sagt.

Weinen sie nicht TTIP hinterher. Das Chlorhühnchen bleibt jetzt in Amerika. Entwickeln Sie Ihre Chancen dort, wo Trump die Wirtschaft vernachlässigt. Nutzen Sie den potenziellen Imageverlust amerikanischer Unternehmen hier und in anderen Ländern. Freuen Sie sich, wenn Ihre amerikanischen Softwarekonkurrenten zum Thema Datensicherheit genauso überzeugend rüberkommen wie Trumps Pressesprecher. Das ist kein Aufruf zur billigen Rache, sondern ganz einfach unternehmerischer Pragmatismus.

Thank you für diesen genialen Sales Pitch, Donald. Terrific! Awesome! Best we've ever seen!

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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