Übernahme-Poker - die Optionen des Werner Baumann Bayer schluckt Monsanto - freundlich, feindlich oder nicht

Bayer -Chef Werner Baumann: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Baumann den größten Übernahmedeal der deutschen Unternehmensgeschichte eingefädelt. Auch eine feindliche Übernahme ist für Baumann eine Option. Sollte die Übernahme scheitern, dürfte der Bayer-Kurs zunächst wieder deutlich steigen

Bayer -Chef Werner Baumann: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Baumann den größten Übernahmedeal der deutschen Unternehmensgeschichte eingefädelt. Auch eine feindliche Übernahme ist für Baumann eine Option. Sollte die Übernahme scheitern, dürfte der Bayer-Kurs zunächst wieder deutlich steigen

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Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Die rund 85 Milliarden Euro schwere Branche wird durch Fusionen und Übernahmen neu geordnet: Die wahrscheinliche Übernahme von Syngenta durch Chemchina hat auch den Druck auf Bayer  erhöht, bei dem Übernahmeangebot für den US-Saatguthersteller Monsanto  nachzulegen. Auch die US-Konkurrenten Dow Chemical und Dupont wollen zusammengehen. Sie würden damit erst einmal den Branchenprimus BASF  vom Thron stoßen. Allerdings wollen sich die beiden US-Konzerne nach der geplanten Fusion in drei börsennotierte Unternehmen aufspalten - darunter ein Spezialist für Agrarchemikalien.

Laut Schätzungen wächst die Zahl der Menschen auf der Erde bis zum Jahr 2050 um rund 3 auf 10 Milliarden. Gleichzeitig schrumpft die bebaubare Fläche. Der Markt verspricht trotz der jüngsten Schwächen langfristig also Wachstum.

Bayer will durch den Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto auf einen Schlag zum weltgrößten Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln aufrücken. Für den Kauf will Bayer so viel Geld in die Hand nehmen wie kein anderes deutsches Unternehmen zuvor. In der Nacht zum Dienstag stockte Bayer sein Gebot für den umstrittenen US-Biotechnologiekonzern noch einmal auf. Statt 125 US-Dollar will Bayer nun 127,50 Dollar pro Aktie zahlen. Aber nur "unter der Voraussetzung einer einvernehmlichen Übernahme", schränkte Bayer ein. Die Gesamtofferte würde sich so von rund 64 auf 64,8 Milliarden Dollar erhöhen.

Bayer-Aufsichtsrat berät Mitte September über weiteres Vorgehen

Nach der zuvor erfolgten doppelten Abfuhr durch Monsanto bei der von Bayer Mitte Juli auf rund 64 Milliarden US-Dollar erhöhten Offerte bleibt der Mega-Deal weiter in der Schwebe. Monsanto prüfe die Offerte, wie auch Vorschläge anderer Parteien und andere strategische Optionen. Der Bayer-Aufsichtsrat will am 14. September über den Stand der Verhandlungen und die weiteren Schritte beraten.

Ob und in welcher Form die Übernahme gelingt ist offen. Die möglichen Optionen im Überblick:

FREUNDLICHE ÜBERNAHME: Das bevorzugte Szenario für Bayer-Chef Werner Baumann bleibt der freundliche Akt. Bei diesem sind sich die Manager über den Sinn eines Zusammenschlusses einig. Sowohl Baumann als auch Monsanto-Chef Hugh Grant hatten die industrielle Logik eines Zusammenschlusses immer wieder betont und sich grundsätzlich auch immer gesprächsbereit gezeigt. Knackpunkte bleiben der Preis und die genauen Konditionen. Sind sich die Manager einig, fallen auch die Widerstände in der Belegschaft oft geringer aus. Dies kann das Zusammengehen später deutlich erleichtern. Ein freundlicher Akt kostet in der Regel auch etwas weniger als der feindliche Griff nach einem Unternehmen. Die Kosten einer möglichen Abwehrschlacht entfallen.

Feindliche Übernahme: Baumanns letzte Option

FEINDLICHE ÜBERNAHME: Bayer könnte eine Abwehr des Monsanto-Managements mit einer direkten Ansprache der Monsanto-Aktionäre umgehen. Das direkte Gebot soll die Aktionäre dazu bringen, das eigene Management unter Druck zu setzen und die Aktien zu verkaufen. Für diesen Schritt muss das Gebot aber verlockend ausfallen. Für DZ-Bank-Analyst Peter Spengler ist eine feindliche Übernahme die "wahrscheinlichste Option", da der Bayer-Vorstand nicht das Gesicht verlieren wolle. Die jüngste Aufstockung sei ein letzter Versuch, bevor Baumann den Aufsichtsrat um grünes Licht für den feindlichen Schritt bittet. Ob es am Ende aber reicht bleibt ungewiss - die Risiken sind enorm.

BASF als weisser Ritter für Monsanto?

WEISSER RITTER FÜR MONSANTO: Der Monsanto-Chef könnte einen anderen Interessenten finden. Grant hatte zuletzt betont, dass es neben Bayer Gespräche mit anderen Parteien gebe. Der Chemiekonzern BASF zeigte sich zugeknöpft: "Ich glaube, wir haben das ziemlich deutlich gemacht, dass unser Pflanzenschutzgeschäft nicht zum Verkauf steht", sagte BASF-Chef Kurt Bock Ende Juli.

Beim Schweizer Agro-Konzern Syngenta war Grant bereits im vergangenen Jahr abgeblitzt. Diesen will nun der chinesische Staatskonzern ChemChina schlucken. Zudem verhandeln Dow Chemical und Dupont seit Ende 2015 über einen Zusammenschluss. Nach der Fusion soll der neue Gigant in drei Unternehmen für Agrarchemikalien, Kunststoffe und Spezialchemikalien aufgespalten werden.

Rückzug - Scheitern des Deals wäre ein Fest für Bayers Pharma-Investoren

RÜCKZUG: Für die Bayer-Investoren wäre das Ende der Übernahmepläne aus Sicht von DZ-Bank-Experte Spengler die "beste Option". Auch der Bayer-Aktienkurs dürfte in einer ersten Reaktion sprunghaft steigen. Denn die angekündigte milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Rekordzukaufs entfiele. Mit seiner Übernahmeofferte für den US-Saatguthersteller hat Bayer zahlreiche Pharma-Investoren verschreckt - diese Investoren dürften zurückkommen, wenn der Deal ins Wasser fiele.

Frei werdende Mittel könnte Bayer dann in sein Pharmageschäft stecken. Dieses gilt bei manchem Analysten - bei allerdings größeren Risiken - ohnehin als deutlich lukrativer als das Geschäft rund um Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter. Für Bayer-Chef Baumann wäre der Verzicht allerdings ein Rückschlag. Gleich zu Beginn seiner erst seit Mai laufenden Amtszeit würde sein wichtigstes Projekt scheitern.

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Von Johannes Haller, dpa-AFX
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