Kritik an Olympia und Fußball-WM Hört endlich auf, über Rio und Katar zu jammern!

Was wurde vor der Olympiade in Rio nicht alles bemängelt und kritisiert. Nun sind die Spiele vorbei und siehe da: Alle Stadien wurden rechtzeitig fertiggestellt und wir haben packende Wettkämpfe gesehen und große sportliche Momente erlebt.
Von Volker Heun
Khalifa-Stadion in Doha: Katar ist heiß auf die Fußball-WM 2022 - und wie Rio durchaus in der Lage, ein sportliches Großereignis auszurichten

Khalifa-Stadion in Doha: Katar ist heiß auf die Fußball-WM 2022 - und wie Rio durchaus in der Lage, ein sportliches Großereignis auszurichten

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Trotzdem ist es mittlerweile zu einer Art Volkssport geworden, sportliche Großveranstaltungen im Vorfeld erst mal niederzumachen und schlechtzureden. Je näher die Eröffnungsfeier rückt, desto intensiver wird die tägliche Flut negativer Nachrichten. Auch bei den kommenden Fußballweltmeisterschaften in Russland und Katar wird das wieder so sein. Doping! Hitze! Und wie steht es um Arbeitsbedingungen und Meinungsfreiheit?

Volker Heun
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Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in den USA und berät heute internationale Fußballinvestoren. Mit "Assetklasse Fussball" hat er ein Handbuch für Investoren und Fans geschrieben, das einen Blick hinter die Kulissen des Big Business im Fußball gewährt. Das Buch jetzt bei amazon bestellen. 

Natürlich ist es wichtig, den Finger in die Wunde zu legen, Defizite aufzuzeigen und über Missstände zu informieren. Aber bitte nicht ausschließlich. Es geht auch um großen Sport und um die Möglichkeit für Länder, die sonst nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen, sich zu präsentieren. So bin ich zum Beispiel überzeugt davon, dass Katar ein sehr guter WM-Gastgeber sein wird.

Fußball? In der Wüste? Wie soll das gehen? Es ist typisch, dass zunächst nur negative Vorurteile bedient werden, wenn Sportorganisationen wie die Fifa eine ungewöhnliche Entscheidung fällen. Nicht Deutschland oder England? Das kann ja nichts werden! Das war damals in Südafrika auch nicht anders - und doch wurde es ein großes Fußballfest.

Katar wird eine der denkwürdigsten Weltmeisterschaften aller Zeiten ausrichten. Es wird die WM der kurzen Wege: Das Emirat ist ungefähr so groß wie Hessen, das heißt: kurze Distanzen, niemand steht laufend im Stau oder auf irgendwelchen Bahnhöfen oder Flughäfen herum.

Katar ist ein wichtiger und zuverlässiger Investor

Wir werden in Katar die modernsten Stadien weltweit erleben dürfen mit einem unglaublichen Komfort. Katar ist das reichste Land der Erde mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 100.000 US-Dollar pro Jahr und Einwohner. Der Reichtum kommt aus dem Export von Erdgas und Erdöl, das Land ist der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Gas. Es leben dort etwa 2,1 Millionen Menschen - und nur rund zwölf Prozent von ihnen sind Katarer.

Katar ist weltweit ein wichtiger und zuverlässiger Investor. So gehört die Qatar Holding beispielsweise zu den Großinvestoren bei Volkswagen, Porsche, Siemens, Credit Suisse, Barclays, Tiffanys und vielen anderen bekannten Konzernen. Die Qatar Foundation hat ferner viele angeschlagene Unternehmen, unter anderem den deutschen Solarzellenhersteller Solarworld, vor einer möglichen Insolvenz gerettet. Im Gegensatz zu vielen anderen Investoren haben die Kataris einen langfristigen Investmentansatz, politische Motive spielen bei den Investments keine Rolle.

Auch im Fußball ist das Land - anders als von vielen angenommen - sehr aktiv. So steckt Geld aus Katar im französischen Top-Club Paris-Saint-German und als Nachwuchs-Club (Farm-Team) im belgischen Verein "Königliche Allgemeine Sportvereinigung Eupen" (KAS Eupen) . Hier wurde in 2012 ein Zehn-Jahres-Vertrag mit der Aspire Zone Foundation geschlossen. In Eupen werden hauptsächlich Spieler aus Nigeria, Senegal, Südafrika und der Elfenbeinküste ausgebildet.

Die katarische Aspire Academy for Sports and Excellence gibt es bereits seit 2004. Sie zählt zu den führenden Fußball-Nachwuchszentren weltweit, schätzungsweise 760 Millionen Euro hat sich das Emirat die Eliteschmiede bereits kosten lassen. Zu den strategischen Partnern gehört unter anderem Schalke 04, der Verein veranstaltet dort regelmäßig sein Wintertrainingslager. Das Herzstück der Akademie ist der Aspire Sports Dome, mit 290.000 Quadratmeter die größte Sporthalle der Welt. 2008 expandierte die Akademie und startete im afrikanischen Senegal eine weitere Nachwuchsschmiede für afrikanische Talente.

Bayern München liebt das Emirat

Auch Bayern München ist häufiger Gast im katarischen Wintertrainingslager. Zudem konnte Bayern München einen Sponsorendeal mit dem katarischen Flughafen in Doha realisieren. Auch der ehemalige Bayern Trainer Pep Guardiola ist eng mit dem Emirat verbunden: Von 2003 bis 2005 spielte er in Katar beim Club Al-Ahli. Er ist auch offizieller Botschafter der WM 2022 und fädelte zudem den Sponsorendeal im Umfang von rund 170 Millionen Euro zwischen der Qatar Foundation und dem FC Barcelona ein.

Katar ist also schon längst ein wichtiger und zuverlässiger Partner, sowohl im Fußball als auch in der Wirtschaft. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die WM in Katar nicht ein großartiges Sportereignis werden sollte - so wie die WM in Südafrika und die Olympischen Spiele in Rio auch. Also hören wir doch mal auf zu jammern und genießen wir den Sport und das Fest!

Volker Heun ist Berater für Fußballinvestoren und schreibt als Gastkommentator für manager-magazin.de - trotzdem gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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