Deutsche Bank Europas Geldhäuser sind schlecht positioniert

Vorstandschef Rolf Breuer hat den Glauben an Großbankenfusionen verloren.

Frankfurt am Main - Nach gleich zwei gescheiterten Fusionsversuchen im abgelaufenen Jahr sieht er vorerst keine Chancen für neue große Zusammenschlüsse im deutschen Bankgewerbe. "Großbanken- Fusionen in Deutschland sind für eine gewisse Zeit nicht mehr Gegenstand von realistischen Bemühungen", sagte Breuer in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Er sei jedoch erstaunt, "dass sich im Jahr 2000 in Europa keine größeren Konsolidierungsschritte bemerkbar gemacht haben". Schließlich sei vor allem bei kleineren und mittleren Bankhäusern dringend die Notwendigkeit für Zusammenschlüsse gegeben. "Viele Finanzinstitute mittlerer Größenordnung müssen sich Gedanken machen über ihre Position in Europa." Denkbar seien aber auch jegliche Formen der Kooperation nur in einzelnen Teilbereichen, betonte Breuer. Solche Lösungen könnten unter Umständen sogar "zielführender" sein, sagte er.

Europa muss mit einer Stimme sprechen

Dem Euro bescheinigte der Konzernlenker nach einem schwierigen Jahr mit herbem Kursverlust dennoch eine gute Zukunft. Wenn die Menschen das Euro-Bargeld von 2002 an erst in der Tasche hätten, würden sie die europäische Gemeinschaftswährung rasch schätzen lernen. Ein wichtiger Grund für die Euro-Schwäche ist nach Meinung Breuers, dass Europa weder wirtschaftspolitisch, noch in der Verteidigungs- und Außenpolitik mit einer Stimme spricht. Das werde sich vorerst auch nicht ändern, prognostizierte er.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe unter diesen schwierigen Begleitumständen aber "einen guten Job" gemacht und für währungspolitische Stabilität gesorgt. "Ich bin sehr angetan von der Art und Weise, wie sie Stabilitätspolitik konzipiert und umsetzt."

Gute Aussichten für die alte Ökonomie

Positive Perspektiven sieht Breuer nach einem Nerven aufreibenden Börsenjahr mit einer Berg- und Talfahrt auch für die Aktienmärkte. Der Deutsche Aktienindex (DAX) könnte nach Einschätzung Breuers bis Ende 2001 von derzeit knapp 6400 Punkten auf mehr als 8000 Zähler zulegen, sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Vor allem die Standardwerte der so genannten alten Ökonomie seien zuletzt oft zu Unrecht arg unter die Räder gekommen. Skepsis sei allerdings beim Neuen Markt und der US- Technologiebörse NASDAQ angesagt. "Da trennt sich die Spreu vom Weizen."

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