Deutsche Telekom Sommers Pläne für 2001: "Integration vor Akquisition"

Der Bonner Riese hat seine Einkaufstour beendet. 2001 soll der Konzern die Zukäufe verdauen.

Bonn - Die Deutsche Telekom hat im fast abgelaufenden Jahr Milliarden ausgegeben für ihre Zukäufe und teurer UMTS-Mobilfunklizenzen. Für 2001 hat Vorstandschef Ron Sommer die Losung ausgegeben: "Integration gilt jetzt vor Akquisition."

Doch von einer Atempause will der Topmanager nichts wissen. Man könne nicht alles auf einmal machen. "Die Globalisierung der Telekom wird nicht in einem, zwei oder in fünf Jahren stattfinden", beteuert der Konzernchef.

Herausforderung Voicestream

Als Hauptaufgabe für 2001 sieht Sommer die Eingliederung des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream. Zur Jahresmitte hatte die Telekom angekündigt, das US-Unternehmen im Aktientausch und in bar für umgerechnet 100 Milliarden Mark zu übernehmen.

Bis zum Ende des zweiten Quartals 2001 soll die Akquisition unter Dach und Fach gebracht werden. Auch weitere Zukäufe schließen Branchenkenner im kommenden Jahr nicht aus.

Experten: Telekom spekuliert auf Dänemark

So rechnet Frank Wellendorf von der WestLB Panmure fest damit, dass Sommer bald in Dänemark zugreifen wird: "Mit der Übernahme der Tele Danmark kann die Telekom einige weiße Flecken in Europa schließen."

Hierzu gehören vor allem die skandinavischen Länder, die Schweiz, Belgien und Holland, meint der Telekom-Analyst. Der Kaufpreis könne mit einem Aufschlag auf den Börsenwert bei rund zehn Milliarden Euro liegen und leicht mit T-Aktien bezahlt werden.

Börsengang von T-Mobile

Neben der Integration von VoiceStream steht in Sommers Terminkalender für 2001 noch der Börsengang der T-Mobile International AG, der im Herbst abgesagt worden war. Unter dem Dach dieser Tochter sind alle Aktivitäten des Bonner Riesen in der Mobilfunk-Sparte zusammengefasst - unter anderem D1, One2One, max.mobil und künftig auch VoiceStream.

Eine Voraussetzung für den Börsengang von T-Mobile ist der Abschluss des Erwerbs von VoiceStream. Die andere heißt Börsenumfeld: "Wenn der Markt so beschaffen ist, dass sich für die T-Aktionäre ein Börsengang auch lohnt", soll der Schritt an den Kapitalmarkt erfolgen.

Telekom hat den Boden gesehen

Die WestLB Panmure ist optimistisch: "Die Telekom hat unseres Erachtens im Jahr 2000 den Boden gesehen." Auch die Wende im operativen Geschäft werde den Kurs positiv beeinflussen, schreiben die Telekom-Analysten in ihrem Ausblick für das kommende Jahr.

Gegenüber ihren Konkurrenten Vodafone und France Télécom hat die Telekom noch einiges aufzuholen. Im UMTS-Geschäft ist der Konzern klar ins Hintertreffen geraten. Doch die Konsolidierung der Branche dürfte sich angesichts der hohen Lizenzkosten fortsetzen und neue Chancen eröffnen.

"Konsolidierungsmotor dürfte neben Vodafone die Deutsche Telekom sein", glaubt die WestLB Panmure. Schließlich haben sich die Bonner vorgenommen, ein paneuropäischer Anbieter zu werden.

Und da bleibt nur der Weg über weitere Zukäufe. Die Telecom Italia wäre ein solcher Kandidat. Doch Sommer winkt ab: "Steht heute nicht zur Debatte."