Die Top-Aktien der "Masters of the Universe" Hedgefonds lieben Facebook, verkaufen Apple - und liegen oft daneben

Apple: Viele Hedgefonds wetten auf den Abstieg - vielleicht zu früh?

Apple: Viele Hedgefonds wetten auf den Abstieg - vielleicht zu früh?

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Topverdiener 2015: Diese Hedgefonds-Manager streichen Milliarden ein

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Hedgefondsmanager sind mit einem soliden, oft supergroßen Selbstbewusstsein ausgestattet. Wie anders sollten sie die immens hohen Gebühren rechtfertigen, die sie ihren Kunden in Rechnung stellen? Wer zwei- bis dreistellige Millionensummen pro Jahr verdient und mit einem schlichten Umzug schon mal einen Staatshaushalt ins Wanken bringt, der muss davon überzeugt sein, schlauer und besser zu sein als der Rest der Welt. Viel besser.

Ein schlichter Indexfonds? Das ist was für Anfänger. Wer am Aktienmarkt von wirklich fetten Deals profitieren will, trägt sein Geld besser zu den selbst ernannten "Masters of the Universe". Soweit zum Selbstverständnis.

Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse, welche die Research-Institute FactSet und S&P Global Market Intelligence über die Top-Holdings der US-Hedgefonds zusammengetragen haben.

Von einer genialen, einzigartigen Marktstrategie ist dort wenig zu spüren, im Gegenteil: Auch Hedgefonds-Manager hantieren häufig mit Aktien, die fast jeder kauft und verkauft und deren Auf- und Abstieg in aller Munde sind.

Hype um Facebook: Hedgefonds rennen mit der Herde mit

Beispiel Facebook: Die Werbeeinnahmen des sozialen Netzwerks erreichen immer neue Höhen, die Aktie erreichte nach den jüngsten Quartalszahlen ein Rekordhoch und hat seit Jahresbeginn rund 13 Prozent an Wert gewonnen. An der Wall Street zählt Facebook  zu den beliebtesten und meist diskutierten Tech-Aktien, sie ist das genaue Gegenteil eines "Hidden Champions". Mehr Börsen-Bohei um eine Aktie geht nicht.

Doch auch viele Hedgefonds rennen mit der Herde mit: Die 50 größten US-Hedgefonds haben im ersten Quartal mehr als 3 Milliarden Dollar in Facebook-Aktien investiert, wie CNN unter Berufung auf FactSet-Daten berichtet. Der milliardenschwere Hedgefonds Citadel zählt dazu, der Hedgefonds Viking sicherte sich im ersten Quartal den größten Anteil, und für den Hedgefonds Coatue ist Facebook sogar die größte Einzelposition im Portfolio. Sollten die hochbezahlten Hedgefondsmanager von Citadel, Viking, Coatue und Co wirklich die weitsichtigen Trüffelschweinchen sein, für die man sie hält, dann müsste die Rekordjagd von Facebook  an der Börse noch monatelang weitergehen.

Mit einem Börsenwert von rund 340 Milliarden Dollar zählt Facebook inzwischen zu den sechs teuersten Unternehmen der USA. Ein Investment in Facebook mag Chancen bergen - doch originell ist es sicher nicht.

Abgesang auf Apple - auch Hedgefonds stimmen ein

Ebenso wenig originell ist es, in den allgemeinen Abgesang auf Apple  einzustimmen. Der iPhone-Hersteller hat im abgelaufenen Quartal erstmals in seiner Geschichte weniger iPhones verkauft als im Vorjahresquartal. Dies war erwartet worden, die Aktie ist seit Monaten unter Druck. Die Wall Street hat sich bereits auf eine Zeitenwende bei Apple eingestimmt.

Und was machen die superschlauen Hedgefonds? Sie machen das, was alle machen - sie trennen sich von Apple-Aktien. Laut den Daten von S&P und FactSet war die Aktie von Apple das meistverkaufte Papier unter den US-Hedgefonds: Angeführt wurde die Verkaufswelle von Carl Icahn, der im ersten Quartal seinen gesamten Bestand an Apple-Aktien im ersten Quartal verkaufte. Aber auch prominente Hedgefonds wie Renaissance Technologies oder der Facebook-Fan Coatue gehören zu denjenigen, die ihre Apple-Bestände drastisch reduziert haben.

Alle wollten raus aus Apple: In den vergangenen 12 Monaten hat Apple rund ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt. Apple zu verkaufen, war seit Sommer 2015 genauso originell wie Facebook zu kaufen. Ginge es nach den Hedgefonds, so ist das Apple-Erfolgsmodell Geschichte.

Einstieg bei Apple - Buffetts Wette gegen die Top-Hedgefonds

Einstieg bei Apple: Buffetts Wette gegen die Top-Hedgefonds

Doch ebenfalls im ersten Quartal stieg ein Investor mit einem Milliardenbetrag bei Apple ein, der zuvor noch nie in die iPhone Company investiert hatte. Warren Buffett wagt mit seiner Beteiligung im Gegensatz zu den meisten Hedgefonds eine antizyklische Wette - er steigt ein, wenn alle auf den weiteren Abstieg setzen.

Der Einstieg Buffetts bescherte der Apple-Aktie ein Plus von rund 7 Prozent seit ihrem Tief von Mitte Mai. Damit ist Apple mit einem Börsenwert von 530 Milliarden Dollar wieder an der Alphabet-Holding (vormals Google) vorbeigezogen und wieder das wertvollste Unternehmen der Welt.

Natürlich kann Buffetts Wette schiefgehen. Im Gegensatz zu Carl Icahn ist Buffett an langfristigen Beteiligungen interessiert. Doch zumindest kurzfristig hat er mit seinem Einstieg viele Hedgefondsmanager, die am Apple-Bashing mitverdienen wollten, nervös gemacht.

Und ganz so schlau, wie es in vielen Werbeprospekten heißt, sind Hedgefondsmanager vielleicht doch nicht. Sie lieben Facebook und hegen Zweifel an Apple, dazu braucht es keine Glaskugel. Und ihre Performance, also das, was unter dem Strich herauskommt?

Die durchschnittliche Hedgefonds-Performance war im ersten Quartal laut FactSet eher bescheiden. Unter dem Strich stand ein Minus von 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Wer in einen langweiligen Indexfonds in den breiten US-Index S&P 500 investierte (siehe oben, das Investment für Anfänger), brachte es dagegen auf ein Plus von 1,4 Prozent.

Da geraten dann doch einige Hedgefondsmanager in Erklärungsnot. Selbst Carl Icahn, der sich mit viel Getöse von Apple verabschiedete, muss nun seinerseits seine Fangemeinde stärken: Die an der Börse gehandelte Aktie von Icahn Enterprises (IEP) hat seit Jahresbeginn rund 10 Prozent an Wert eingebüßt. Vielleicht wäre mal Zeit für eine originelle Wette.

Hedgefonds: Bescheidene Zahlen, fliehende Kunden