Präsidentenwahl in Österreich - Briefwähler entscheiden Hofer und Van der Bellen Kopf an Kopf

Im Kampf um das Präsidentenamt in Österreich liefern sich der Rechtspopulist Norbert Hofer und sein unabhängiger Rivale Alexander Van der Bellen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Kurz nach Schließung der Wahllokale lagen beide Kandidaten praktisch gleichauf.
Zwei Kandidaten, zwei Welten: Sowohl Rechtpopulist Norbert Hofer als auch der EU-freundliche Ex-Grüne Alexander Van der Bellen kamen am Sonntag auf jeweils 50 Prozent der Stimmen. Nun dürften die Briefwähler entscheiden, deren Stimmen noch nicht ausgezählt sind

Zwei Kandidaten, zwei Welten: Sowohl Rechtpopulist Norbert Hofer als auch der EU-freundliche Ex-Grüne Alexander Van der Bellen kamen am Sonntag auf jeweils 50 Prozent der Stimmen. Nun dürften die Briefwähler entscheiden, deren Stimmen noch nicht ausgezählt sind

Foto: AFP; Reuters

Der Kandidat der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei (FPÖ), Hofer, lag in der ersten Hochrechnung hauchdünn vorn, verlor im Verlaufe der Auszählung aber stetig an Stimmen. In der dritten Hochrechnung des Institus Sora im Auftrag des Österreichischen Fernsehens (ORF) von 18 Uhr lagen beide Kandidaten exakt gleichauf bei 50 Prozent.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 91,6 Prozent aller Stimmen ausgezählt. Allerdings lässt die noch mögliche Schwankungsbreite von einem Prozent noch keine Vorhersage des Wahlsiegers zu.

Ausschlaggebend wird sein, wie viele Stimmen die Kandidaten in Wien geholt haben und wie die knapp 900.000 Briefwähler abgestimmt haben. In den ersten Hochrechnungen sind erste Schätzungen für die Briefwahl eingeflossen. Ergebnisse der Briefwahl sollen jedoch erst am Montag vorliegen.

Sollte Hofer als Sieger aus dem Rennen gehen, würde in einem EU-Mitgliedsland erstmals ein Rechtspopulist das höchste Staatsamt übernehmen. Der FPÖ-Kandidat hatte die erste Runde der Präsidentenwahl vor vier Wochen mit gut 35 Prozent klar gewonnen. Van der Bellen lag rund 14 Prozentpunkte hinter Hofer. Allerdings blieb damals ein Drittel der rund 6,4 Millionen Wahlberechtigten der Abstimmung fern.

Hofer macht Stimmung gegen Flüchtlinge

Die FPÖ ist seit Jahren im Aufwind und profitierte zuletzt vor allem von der Flüchtlingskrise. Die Partei legte bei den jüngsten Regionalwahlen in Wien, Oberösterreich und im Burgenland stark zu und kommt in Umfragen auf Bundesebene auf rund 30 Prozent der Wählerstimmen. Die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP hatten erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs keine Chance mehr, den Bundespräsidenten zu stellen. Ihre Kandidaten landeten im ersten Wahlgang mit jeweils rund zehn Prozent weit abgeschlagen. Auch deswegen trat Bundeskanzler Werner Faymann von der sozialdemokratischen SPÖ Anfang Mai zurück.

FPÖ-Wähler von Angst getrieben

Der 45-jährige gelernte Flugzeugtechniker Hofer punktete im Wahlkampf mit seinem Anti-EU-Kurs und seiner Forderung nach einer strengeren Asylpolitik. Auf seiner Internet-Seite wirbt Hofer damit, dass das wichtigste politische Projekt der Schutz der Grenzen sei. Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei bezeichnete er als "fatal".

Politologen zufolge war das stärkste Wahlmotiv für Hofer-Wähler jedoch die wirtschaftliche Angst der Österreicher. Demnach trauen die Österreicher Hofer eher zu, die Alltagsproblem zu lösen. Der 72-jährige studierte Wirtschaftswissenschaftler Van der Bellen vertritt hingegen einen liberaleren Asylkurs. Er ist selbst als Immigrantenkind in Österreich aufgewachsen. Rückenwind bekam der Ex-Parteichef der Grünen vom neuen Kanzler Christian Kern (SPÖ).

- von Alexandra Schwarz-Goerlich, Reuters
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