Siemens Ciao Infineon

Konzernchef Heinrich von Pierer hat glänzende Zahlen vorgelegt. Doch gibt er weiter Gas - allerdings demnächst ohne Infineon.

München - Der Siemens-Konzern betrachte den Rekordgewinn des Geschäftsjahres 1999/2000 nur als Zwischenstation. Oberstes Ziel sei eine weitere deutliche Verbesserung der Erträge, sagte Vorstandschef von Pierer am Donnerstag in München.

Für 2000/01 (30. September) kündigte der Konzernlenker ein zweistelliges Umsatzwachstum und eine Gewinnsteigerung klar oberhalb des Umsatzwachstums an.

Die Marge im operativen Geschäft, das Verhältnis des Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) zum Umsatz, solle jährlich "im Trend in einer Größenordnung von 20 Prozent" wachsen. Um in den kommenden Jahren die Margen zu verbessern, sei auch eine "weitere Optimierung des Geschäftsportfolios" geplant, sagte von Pierer.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der Konzern seinen Gewinn um 80 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro (6,7 Milliarden Mark) gesteigert, mit den Erlösen aus den Börsengängen von Epcos und Infineon sogar auf 7,9 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte auf 78,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich um 93 Prozent auf 5,07 Euro.

"Schwachstellen werden bereinigt"

Nachdem alle Geschäftsbereiche schwarze Zahlen schreiben, würden nun die darunter liegenden Einheiten durchforstet und "Schwachstellen konsequent bereinigt", kündigte von Pierer an.

Als Beispiel nannte er die Automatisierungs- und Antriebstechnik, wo es Überkapazitäten und Restrukturierungsbedarf gebe. "Ein Ziel steht vor allem: Die Stärkung der Ertragskraft", sagte von Pierer.

Auf dem Weg zur E-Company

Zur Optimierung des Portfolios halte sich Siemens alle Möglichkeiten offen - von Zukäufen über Partnerschaften bis zu Verkäufen und Schließungen. Die angelaufene Umstellung des gesamten Gesamtkonzerns auf elektronische Plattformen werde Siemens zur E-Company verwandeln und führe schon im ersten Schritt zur Kosteneinsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro.

In den USA, wo Siemens an die Börse will, soll das Geschäft massiv ausgebaut werden; ebenso in Asien. "Ich gehe davon aus, dass die Reihenfolge unserer umsatzstärksten Länder in wenigen Jahren lautet: USA vor Deutschland vor China", sagte Pierer. Im abgelaufenen Jahr hatte Siemens erstmals in den USA mehr umgesetzt als in Deutschland.

Trennung von Infineon

Von Pierer bekräftigte, dass sich der Konzern komplett von seinen Anteilen an dem Chiphersteller Infineon trennen will. Die Loslösung solle möglichst schonend für die Aktienmärkte erfolgen.

Dabei denkt Siemens daran, Teile seines Infineon-Bestands gegen Siemens-Aktien einzutauschen. Derzeit hält der Konzern noch 71 Prozent an dem Halbleiter-Spezialisten. Angesichts des bevorstehenden Rückzugs will Siemens sein operatives Geschäft künftig ohne Infineon ausweisen und die Tochter getrennt darstellen.

Infineon trug im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. September) knapp 1,7 Milliarden Euro zum Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen bei.