Montag, 23. September 2019

Interviews als Unternehmens-Risiko Wie sich der Kommunikations-GAU verhindern lässt

2. Teil: Wie ein Schrempp-Interview Kirk Kerkorian zur Klage ermunterte

Das bekannteste Beispiel hierfür ist Rolf Breuers legendäres Interview kurz vor dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe. Das Gespräch des damaligen Deutsche-Bank-Chefs mit der Nachrichtenagentur Bloomberg kostete das Institut am Ende fast 1 Milliarde Euro und führte zu Strafverfahren gegen mehrere Vorstände.

Ein ähnlicher Kommunikations-Gau wäre um ein Haar auch das Interview von Daimler-Boss Jürgen Schrempp im Jahr 2000 mit der "Financial Times" geworden. Darin hatte Schrempp angedeutet, dass der Zusammenschluss von Daimler und Chrysler aus "psychologischen Gründen" als Fusion unter Gleichen deklariert worden sei - tatsächlich aber eine Übernahme war.

Das Interview veranlasste Ex-Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian, Daimler zu verklagen. Seine Forderung: 8 Milliarden Dollar Schadenersatz. Kerkorian verlor den Prozess. Sicher war dieser Ausgang nicht.

Besonders in den USA stehen bei unbedachten Äußerungen führender Manager schnell Millionen- oder gar Milliardensummen auf dem Spiel. Eine Erfahrung, die nun VW-Chef Müller machen muss. Auch wenn noch nicht absehbar ist, was seine Aussagen ("Wir haben nicht gelogen") am Ende juristisch bedeuten - sicher ist bereits jetzt: Staatsanwälte, Behörden und Sammelkläger werden versuchen, ihren Vorteil aus den Worten des VW-Bosses zu ziehen. Ihr Ziel: den Gerichten zu zeigen, wie Volkswagen vermeintlich wirklich tickt. Dafür sind Müllers Sätze wie ein Elfmeter ohne Torwart. Wahrlich kein Spaß für einen globalen Konzern, wenn Schadenersatzsummen in Milliardenhöhe auf dem Spiel stehen und die Äußerungen des Chefs ihren Weg bis in die "New York Times" finden.

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