EM.TV Wie gewonnen, so zeronnen

Der Medienkonzern ist noch stärker angeschlagen als bisher erwartet. Thomas Haffa kündigt die Verkäufe von Beteiligungen an.

München - Die Kirch-Gruppe hilft dem einstigen Börsenstar EM.TV mit einer Milliardenspritze vorerst aus der Bredouille. Wie die beiden Unternehmen auf einer Pressekonferenz in München mitteilten, bekommt Kirch rund 17 Prozent der EM.TV-Aktien sowie eine Sperrminorität von 25 Prozent der Stimmrechte.

Außerdem erhält die Kirch-Gruppe ein Viertel der gesamten Formel-Eins-Rechte. Dafür zahlt sie 1,3 Milliarden Mark an EM.TV und überlässt dem Partner die zweite Hälfte der Kinderfilm-Bibliothek Junior.

Finanzvorstand spricht von schwarzen Zahlen

Um Geld in die Kasse zu bekommen, verkauft EM.TV neben den Rennsport-Rechten überraschend auch Rechte an der Kindersendung Sesamstraße in die USA. Außerdem will sich EM.TV von seinen Anteilen am Spielfilm-Händler TeleMünchen trennen, wie Vorstandschef Thomas Haffa sagte. Die drei spektakulären Beteiligungen hatte EM.TV erst dieses Jahr erworben.

Der neue Finanzvorstand Rolf Rickmeyer erklärte, die Abschreibungen sämtlicher Beteiligungen seien mit 260 bis 300 Millionen Mark gut doppelt so hoch wie bisher von Analysten erwartet. Der erwartete Jahresgewinn aus dem operativen Geschäft, der erst am Freitag von 525 auf 50 Millionen Mark berichtigt worden war, reicht damit nicht aus, um schwarze Zahlen zu schreiben. Die Gesamtschulden von EM.TV bezifferte Rickmeyer mit 2,2 Milliarden Mark.

An der Börse stürzte der ehemalige Star bis Montagnachmittag noch einmal um 40 Prozent auf 9,64 Euro. Im Februar hatte die Aktie noch bei 120 Euro gestanden.

Bundeskartellamt muss noch zustimmen

Der Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV soll bei Zustimmung des Bundeskartellamts im Februar wirksam werden. EM.TV bekommt von Kirch die Hälfte der Junior-Bibliothek, die insgesamt über 10.000 Stunden Kinder- und Familienunterhaltung umfasst. Junior ist derzeit ein Gemeinschaftsunternehmen von EM.TV und Kirch.

Der Münchner Rechtsanwalt Klaus Rotter prüft im Auftrag von 15 Aktionären eine Klage wegen vorsätzlicher Täuschung gegen EM.TV. Möglicherweise habe der Vorstand im Oktober wider besseres Wissen zu positive Zahlen präsentiert. Thomas Haffa sagte auf der Pressekonferenz: `Ich habe mir keine Vorwürfe zu machen."