Neuer Markt Mit Übernahmen verdienen

Eine Welle von Übernahmen und Fusionen erwarten Branchenkenner für den Neuen Markt. Die Investmentbanker verdienen erneut - aber gilt das auch für Anleger?

Frankfurt - Rund 66 Prozent haben Anleger im Durchschnitt bei den Werten des Nemax-50 verloren. Neu-Emissionen werden reihenweise abgesagt - im Vergleich zum Vorjahr trauten sich zwischen September und November ein Drittel weniger Firmen an die Börse.

Die Finanzierung an und über die Börse hat an Glanz verloren. Investmentbanker, die vorher dafür sorgten, dass Anlegergeld in spekulative Geschäftsmodelle floss, sehen sich nun nach Alternativen um.

Für viele ihrer einstigen Börsenkandidaten arrangieren sie nun Übernahmen, Fusionen und strategische Partnerschaften. Der Einstieg der KirchGruppe bei EM.TV ist nur der Anfang.

Für Anleger sind solche Tendenzen nicht schlecht. Sie könnten einen Teil ihres investierten Kapitals zurück holen oder sogar frühere hohe Buchgewinne realisieren. Voraussetzung ist allerdings, dass es bei den Fusionen und Übernahmen nicht bei Einzelfällen bleibt.

Die meisten der 320 am Neuen Markt notierten Firmen dürften bereit sein, sich kaufen zu lassen. Sie haben nicht nur drastisch an Wert verloren und sind damit billig zu haben. Ihnen fehlt auch die Möglichkeit, sich durch Ausgabe weiterer Aktien an der Börse zu finanzieren.

Bei Unternehmen wie Jobs & Adverts, die beinahe genauso viel Verlust ausweisen wie Umsatz, können sich Finanzvorstände leicht ausrechnen, wie lange das einmal eingesammelte Geld noch reicht.

Sparen hilft da wenig, denn die ebenfalls börsennotierte Konkurrenz kämpft auch um die Marktführerschaft. Ob Rechtehandel, Media-Agentur oder Software - fast jede Branche ist am Neuen Markt mit Wettbewerbern gut besetzt. Jedes fünfte börsennotierte Unternehmen tummelt sich allein im Sektor Internet. Hier rechnen Branchenkenner schon bald mit einer Welle von Zusammenschlüssen.

Interessant sind die armen Firmen am Neuen Markt auch für Ausländer. Die bislang einmalige Übernahme eines US-Unternehmens durch eine Neue-Markt-Firma - wie im Fall Brokat und Gemstone/Blaze - dürfte die Ausnahme bleiben.

Wahrscheinlicher ist der Aufkauf von deutschen Firmen durch kapitalkräftigere US-Konkurrenten.

Anleger können auf neue Spekulationen hoffen

Für Anleger könnte sich das auszahlen. Börsennotierte Firmen, die als kapitalkräftig und marktführend bekannt sind, dürften durch Spekulationen auf solche Übernahmen im Kurs steigen.

Noch stärker fallen die Kurssteigerungen bei Firmen aus, die gerüchteweise als potenzielle Übernahmeopfer gelten. Stellt sich das Gerücht freilich als nicht haltbar heraus, fallen die Notierungen ebenso schnell wieder.

Bei EM.TV und Ricardo - der Internet-Auktionator wurde gerade erst vom britischen Konkurrenten QXL geschluckt - haben sich die Übernahmen für die Aktionäre bislang nicht ausgezahlt.

Anleger können deshalb nur darauf hoffen, dass sich eine wahre Welle der Fusionen und Partnerschaften einstellt. Denn erst eine neue marktweite Spekulation kann die Kurse wieder nach oben treiben.