US-Pharmakonzern Valeant Dieser Skandal könnte Bill Ackman Milliarden und den Ruf kosten

Hedgefonds-Manager Bill Ackman: Dem Aktivisten-Investor drohen im Valeant-Skandal massive Verluste

Hedgefonds-Manager Bill Ackman: Dem Aktivisten-Investor drohen im Valeant-Skandal massive Verluste

Foto: ? Mike Cassese / Reuters/ REUTERS

Bill Ackman macht keine Gefangenen. Dass der Hedgefonds-Manager, wenn er sich an einem Unternehmen einmal festgebissen hat, so schnell nicht davon ablässt, hat zuletzt der Diätmittelhersteller Herbalife erfahren. Gegen Herbalife fuhr der Aktivisteninvestor eine jahrelange Kampagne. Mit dem Ziel, das Unternehmen in die Knie zu zwingen - und mittels Shortpositionen kräftig daran zu verdienen.

Nun sieht es so aus, als ob Ackman diesmal selbst Opfer einer solchen Attacke werden könnte. Denn der von ihn gehypte Pharmakonzern Valeant, an dem Ackman über seinen Hedgefonds Pershing Square Capital Management eine Milliardenbeteiligung hält, ist in den Sog eines Betrugsskandals geraten. Den Aktienkurs des Unternehmens, das Ackman einst öffentlichkeitswirksam wegen seiner hohen Profitabilität als Berkshire 2.0 feierte, sandte der Skandal in den vergangenen Tagen auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Am Montagmorgen notierte das Papier bei 95,45 Dollar. Das ist weniger als die Hälfte des Wertes, den das Papier hatte, als Ackman seine Position bei dem Unternehmen publik gemacht hatte. Laut US-Presseberichten beläuft sich der Verlust für Ackmans Pershing Square Capital Management aktuell auf rund 2 Milliarden Dollar.

Ausgelöst hatte den Kursverfall ein Bericht der Analysefirma Citron Research, die dem Unternehmen vorgeworfen hatte, den Umsatz mit Hilfe von Spezialapotheken künstlich aufzublähen. Und das Vorgehen öffentlichkeitswirksam mit dem Fall Enron verglich.

Machtkampf unter Hedgefonds

Pikant daran: Hinter Citron stehen Hedgefonds, die - wie auch Ackman in der Vergangenheit - Unternehmenskandale aufdecken und mit Leerverkäufen der Aktie Gewinne erzielen wollen.

Kaum war die Nachricht raus, ging die Valeant-Aktie auf Sturzflug. Auch weil sich plötzlich die Augen der Öffentlichkeit auf die Geschäftspraktiken Valeants richteten, das mit Übernahmen wie der des Kontaktlinsenspezialisten Bausch & Lomb zu einem Pharmariesen mit mehr als acht Milliarden Dollar Umsatz gewachsen ist.

Denn neben der Nutzung von Synergien und der Stärkung der eigenen Marktmacht erhöhte Valeant in Folge der Übernahmen oft massiv die Preise. Ein Vorgehen, das im aktuellen politischen Klima in den USA extrem unpopulär ist.

Plötzlich geht es um viel mehr

Wegen eines ähnlichen Vorgehens, bei dem der US-Konzern Turing Pharmaceuticals die Preise für ein Medikament auf einen Schlag um 5000 Prozent erhöhte, sah sich dessen Chef Martin Shkreli kürzlich der Wut einer ganzen Nation ausgesetzt.

Alle Bemühungen, die Investoren zu beruhigen, wie zum Beispiel die Beendigung der Zusammenarbeit mit der umstrittenen Spezialapotheke und deren Schließung sowie ein vierstündiger Auftritt Ackmanns, in dem dieser die Vorzüge Valeants lobte, blieben bislang erfolglos. Schlimmer noch: Nach der Rede Ackmans gab das Papier sogar um weitere 16 Prozent nach.

Und auch die Ankündigung von Valeant-Chef Michael Pearson, nicht mehr durch ständig neue Übernahmen wachsen zu wollen und mehr als bisher in die zuvor als "riskant und ineffizient" verschmähte Forschung und Entwicklung zu investieren, hat den Kursverfall bislang nicht aufhalten können.

Schmähungen, Downgrades, Ärger mit den Behörden

Bill Ackman hat jedoch noch lange nicht aufgegeben. Er sieht den Kursziel weiter in drei Jahren bei rund 450 Dollar - mehr als das Viereinhalbfache des aktuellen Wertes. Er hat nach dem ersten Absturz der Aktie sogar noch einmal zugekauft.

Doch außerhalb von Pershing hat sich der Blick auf den einstigen Börsenliebling gewandelt. Und das nicht nur, weil die umstrittene Spezialapotheke Philidor zuletzt für rund 7 Prozent des Umsatzes verantwortlich war.

Nach Standard & Poor's senkte am Montag auch Goldman Sachs  seine Valeant-Bewertung und die Kurserwartung um etwa ein Drittel. Und begründete dies unter anderem mit dem Kollateral-Schaden, den die Veröffentlichungen für das Image der Firma bedeuteten.

Warren Buffets rechte Hand Charlie Munger geißelte Valeants Preisstrategie am Samstag als "zutiefst unmoralisch". Und nun ist auch das Kontaktlinsengeschäft des kanadischen Pharmariesen ins Visier der US-Wettbewerbshüter geraten.

Aber nicht nur das Image von Valeant hat gelitten. Auch das des einstigen Hedgefonds-Titanen Ackman ist mittlerweile angeschlagen. Misserfolge und Fehlleistungen der Vergangenheit werden rekapituliert und wieder aufgewärmt.

Vorgehensweisen, die Ackman selbst zu gut kennt. Und die es ihm eigentlich unmöglich machen, seine Linie bei Valeant kurzfristig zu ändern. Auch wenn er aus eigener Erfahrung weiß, mit welch harten Bandagen in seiner Branche gekämpft wird.