Einzelhandel Ansturm lässt die Kassen klingeln

Der erste Adventssamstag hat das Weihnachtsgeschäft schon kräftig in Schwung gebracht. Die Umsätze lagen großenteils über denen vom ersten Adventssamstag im vergangenen Jahr.

Hamburg - Volle Innenstädte und gut gefüllte Kassen: Am ersten Adventswochenende kam das Weihnachtsgeschäft in Deutschland richtig auf Touren. In vielen Städten setzte der Käuferansturm schon früh ein. Nach Auskunft des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) gab es im Handel am Samstag zufriedene Gesichter. Alle befragten Kaufleute seien sich nach dieser ersten Erfahrung einig in ihrer optimistischen Erwartung für das Weihnachtsgeschäft 2000. Die Umsätze sollen im Vergleich zum ersten Adventssamstag vor einem Jahr höher gelegen haben. In einigen Bereichen sei ein klares zweistelliges Umsatzplus erzielt worden. Ausgezeichnetes Weihnachtsgeschäft erwartet In den bayerischen Großstädten hatten sich vor einigen Geschäften schon vor Öffnung Menschentrauben gebildet, was an Samstagen "extrem selten" sei, hieß es. Den ganzen Tag über wurden die Kaufhäuser "stark frequentiert", berichteten Kaufhaus-Geschäftsführer. Erste vorläufige Umsatzzahlen deuteten auf ein ausgezeichnetes Weihnachtsgeschäft hin. In München fasste ein Händler das Kundenverhalten mit den Worten zusammen: "Sehr früh, sehr viel und sehr stark". Auch in Berlin strömten die Kunden ungewöhnlich früh in die Geschäfte. "Um zehn Uhr war schon die Hölle los", sagte der Geschäftsführer eines Karstadt-Kaufhauses. Auf den Wunschlisten der Käufer stand das Handy auf Platz eins. «Sensationell» gehen in diesem Jahr Spielwaren, sagte ein Düsseldorfer Händler. Absoluter Renner war dabei die Playstation 2. Gefragt waren auch DVD-Player, Bücher, Parfüm und Digitalkameras, hochwertige Haushaltsgeräte oder Sportartikel. Weniger günstig habe sich der Markt für Textil- und Modehäuser entwickelt, die unter den für die Jahreszeit zu hohen Temperaturen litten, stellte der HDE fest. Zehnprozentiges Umsatzplus Ulf Kalkmann vom Hamburger Einzelhandelsverband sprach von einem bis zu zehnprozentigen Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr. Die hohen Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft seien am ersten Adventswochenende voll erfüllt worden, sagte er. Karstadt in Essen rechnete mit einem Einnahmeplus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Die Kunden haben weitgehend ihre Kaufzurückhaltung abgelegt", hieß es bei Hertie in München. In Hannover schwärmte der Geschäftsführer des Kaufhofs Peter Schuppe, "die Umsatzkerzen fangen an zu leuchten". "Das Weihnachtsgeschenk im Jahr 2000 ist das Handy, gefolgt von DVD-Playern und Digitalkameras." In Sachsen lief das Weihnachtsgeschäft dagegen eher schleppend an. Die Einzelhändler waren noch nicht vollständig zufrieden. "Es fehlt der rechte Funke für den Weihnachtsverkauf", sagte Marlies Dillschneider, Geschäftsführerin von Karstadt Leipzig. "Das Geschäft läuft noch nicht so toll", sagte der Dresdner Hertie-Chef Jan de Wit. Er hoffe, dass die Umsätze nicht unter dem Niveau des Vorjahres blieben. In Thüringen verlief das erste Adventswochenende besser als im Vorjahr. "Die Umsatzentwicklung ist erfreulich", sagte Günter Borkenhagen vom Verband der Mittel- und Großbetriebe im Einzelhandel. Ausdehnung der Öffungszeiten gefordert "Nach der Zwischenbilanz sieht es so aus, als würden wir zwischen den Ergebnissen des ersten und zweiten langen Samstags vor einem Jahr liegen. Das ist hervorragend", sagte Geschäftsführer Erich Beyersdorff vom Kaufhaus Breuninger in Stuttgart. Von zweistelligen Zuwachszahlen berichtete auch der Kaufhof in Ulm. "Nicht mal auf den Rolltreppen gibt es noch einen freien Platz", schilderte ein Sprecher den Andrang. Der Einzelhandel forderte unterdessen eine Ausdehnung der besonderen Advents-Öffnungszeiten auf das gesamte Jahr. Der Präsident des HDE, Hermann Franzen, hatte der "Bild"-Zeitung gesagt: "Ich hoffe auf Samstags-Öffnungen bis 18.00 Uhr, die Regierung muss sich hier endlich dem Willen des Verbrauchers beugen, statt Gewerkschaftsblockaden hinzunehmen!" Die Branche habe sich 2000 insgesamt positiv entwickelt: "Wir werden bei einer Preissteigerungsrate von Nullkommanull etwa 2,25 Prozent mehr Umsatz einfahren als im Vorjahr." Im Jahr 2001 werde "jeder Bundesbürger durch Steuerreform und Wirtschaftswachstum noch mal 1500 Mark mehr ausgeben können als 2000, das seien 100 Milliarden Mark Kaufkraft-Plus".