US-Wahl Stimmzettel per Eskorte ins Gericht

Im Rechtsstreit um das Weiße Haus hat der Demokrat Al Gore einen Teilerfolg erzielt und kann wieder auf den Sieg hoffen.

Washington - Richter Sanders Sauls vom Bezirksgericht in Tallahassee in Florida ordnete am Dienstag an, dass ihm bis Freitag, 23.00 Uhr (MEZ), tausende umstrittener Stimmzettel aus den Bezirken Miami-Dade und Palm Beach gebracht werden, die zum Teil nur eingedrückt, aber nicht gestanzt sind.

Sauls äußerte sich noch nicht dazu, ob die Stimmen von Hand gezählt werden, wie es Gores Anwälte fordern. Im selben Gericht wurde im Fall tausender fehlerhafter Briefwahlanträge die Verhandlung für den 6. Dezember angesetzt. Das Urteil könnte große Bedeutung für Gores Siegchancen haben.

Die 10.000 Stimmzettel aus Miami-Dade und 3300 aus Palm Beach sollen genauso wie mehrere Zählmaschinen per Polizeieskorte zum Gericht gebracht werden. Erst dann soll nach einer Anhörung über das Zählen entschieden werden.

Die Republikaner halten eine Nachzählung für unnötig, weil die Stimmzettel bereits zweimal per Maschine gezählt und für ungültig befunden worden seien.

Sauls Richterkollegin Nikki Clark befasste sich unterdessen mit einem Antrag auf die Aussonderung von rund 15.000 Stimmzetteln aus dem Bezirk Seminole. Die Republikaner hatten dort rund 4700 Briefwahlanträge durch Meldenummern vervollständigt - nach Ansicht des Antragsstellers, eines demokratischen Rechtsanwalts, ein illegales Vorgehen.

Da nicht mehr ausfindig gemacht werden kann, welche Stimmzettel genau betroffen sind, fordert Harry Jacobs, dass gar keine Briefwahlstimmen berücksichtigt werden. Damit würden Bush rund 5000 Stimmen mehr als Gore verloren gehen, so dass der Demokrat die Wahl in Florida gewonnen hätte.