France Telecom Zittern vor dem Rating - Orange-Emission bringt nur noch die Hälfte

Der geplante Orange-Börsengang bringt nur noch die Hälfte, Vorstandschef Hans Snook muss gehen. France Telecom macht sich Sorgen um die britische Mobilfunk-Tochter und den eigenen Schuldenstand.

Paris - France Telecom hat die Erwartungen aus dem geplanten Börsengang ihrer britischen Mobilfunk-Tochter Orange deutlich reduziert.

Die Platzierung, voraussichtlich im Februar 2001, soll rund sieben Milliarden Euro einbringen - nur noch die Hälfte des Betrags, den die Franzosen noch vor einem Monat nannten.

France-Telecom-Chef Michel Bon kündigte ausserdem an, dass Orange-Chef Hans Snook seinen Posten abgeben werde.

Bon reagierte damit auf die aktuelle Börsen-Situation und die schlechten Erfahrungen, die Wettbewerber gerade machen mussten. Die holländische KPN sagte den Börsengang ihrer KPN Mobile kurzfristig ab. Die spanische Telefonica wagte die Emission ihrer Tochter Telefonica Moviles Anfang des Monats, holte aber nur die Hälfte des erhofften Kapitals.

"No-win"-Situation

Dabei haben die Telefonriesen das Geld der Anleger bitter nötig. Allein France Telecom gab in diesem Jahr rund 50 Milliarden Dollar für Zukäufe und UMTS-Lizenzen aus.

Nach Einschätzung von Analysten befinden sich die Telefonriesen in einer "no-win"-Situation: Bringen sie ihre Töchter bei der gegenwärtig schlechten Stimmung an die Börse, verschenken sie Werte. Warten sie ab, müssen sie mehr Zinsen für ihre Anleihen und Kredite zahlen.

Große Pläne, große Sorgen

France Telecom kaufte Orange, den drittgrößten Mobilfunker Großbritanniens, im Mai von Vodafone. Zuvor hatte Mannesmann Orange gekauft, nach der Übernahme durch Vodafone musste die Firma aber wieder abgegeben werden.

Die Franzosen zahlten dafür rund 36 Milliarden Dollar. Nach der Fusion mit anderen Mobilfunk-Unternehmen aus dem Reich der France Telecom stieg Orange zum europaweit zweitgrößten Mobilfunk-Unternehmen auf.

Den Kauf im Mai zahlte France Telecom unter anderem in Aktien. Den Emissions-Erlös aus dem Börsengang von Orange wollte Michel Bon ursprünglich dazu nutzen, einen Teil dieser Papiere von Vodafone zurück zu kaufen.

Zittern vor dem Rating

Dafür und für einige andere Aussenstände muss sich France Telecom nun eine alternative Finanzierung suchen. Im vergangenen Monat verkaufte France Telecom schon Anleihen im Wert von fünf Milliarden Euro, bis Ende 2001 sollen weitere Anleihen über zehn Milliarden folgen - dann aber deutlich teurer als jetzt.

Denn inzwischen hat die Ratingagentur Moody´s das Rating von "A1" auf "Aa2" gesenkt. Damit muss France Telecom für die Anleihen deutlich höhere Zinsen zahlen. Kürzt Moody´s das Rating weiter, etwa auf "Ba1" oder tiefer, wird die Finanzierung für die Franzosen unbezahlbar.

Vorstandschef muss gehen

Den nun weniger lukrativen Orange-Börsengang wird der bisherige Vorstandschef Hans Snook nur noch als Berater miterleben. Der 52jährige wird durch Jean-Francois Pontal ersetzt, dem Vize-Chef der Gruppe, die bei France Telecom das Massengeschäft bedient.

Snook gilt als der Manager, der Orange zu einem Anbieter mit Bedeutung aufgebaut und geformt hat. Nun will er mehr Zeit für seine anderen Interessen haben, erklärte Snook und deutete neue Unternehmungen in Richtung drahtloses Internet an.