AIG Aufstieg zum wertvollsten Finanzdienstleister der Welt

Der Versicherer überholt beim Börsenwert die Citigroup und steigt zum am höchsten bewerteten Finanzdienstleister der Welt auf.

New York - Der Gewinner heisst ... American International Group Inc. (AIG). Der US-Versicherer ist vom Börsenwert her der wertvollste Finanzdienstleister der Welt. Der bisherige Titelinhaber, der US-Anlageriese Citigroup Inc., rutscht auf Platz zwei.

Das Rennen hat die Börse entschieden. Beide Unternehmen machten ihren Aktionären in den vergangenen wenig Freude. Doch während Citigroup rund zwölf Prozent verlor, musste AIG nur sechs Prozent abgeben. Das genügte, um die Rangliste zu verändern.

AIG kostete am Nachmittag in den USA 214.6 Milliarden Dollar, während ein Käufer für Citigroup 213.1 Milliarden Dollar hinlegen müsste. AIG hat rund 2,3 Milliarden Aktien im Streubesitz, Citigroup stützt sich auf 4,5 Milliarden Papiere.

Schnäppchen in Japan

Die Aktien sind eine begehrte Tauschware, doch AIG will keine neue Welle der Übernahmen im Finanzsektor auslösen. Chairman Maurice R. "Hank" Greenberg, 75, erklärte gegenüber der US-Nachrichtenagentur Bloomberg, er sei an dem, was derzeit auf dem Markt sei, nicht interessiert.

"Wir kaufen nicht um des Kaufens willen", wird Greenberg zitiert. Doch bei passender Gelegenheit sei AIG durchaus zu schnellen Entscheidungen fähig.

Analysten erwarten, dass die Firma - sie wurde vor 81 Jahren in Shanghai gegründet - vor allem in Japan, Taiwan und Thailand auf Schnäppchenjagd geht. Zunächst hat sich AIG bereit erklärt, dem bankrotten größten japanischen Lebensversicherer Chiyoda Mutual Life finanziell unter die Arme zu greifen.

Mit Spezial-Policen gut verdient

Im Heimatmarkt USA legt Greenberg dagegen den Fokus darauf, die Margen im Versicherungsgeschäft zu erhöhen. Die Vertreter vor Ort sollen teurere Policen verkaufen, ohne die Kunden zu verschrecken.

Mit diesem System konnte sich AIG schon in den vergangenen Jahren durchsetzen. Während sich Konkurrenten weltweit bei den Prämien unterboten und dadurch ins Schleudern gerieten, konzentierte sich AIG auf Spezial-Angebote mit entsprechend lukrativen Margen.

In Deutschland angeboten werden unter anderem Hausrat-Policen für vermögende Privatkunden. Eine Anti-Kidnapping-Versicherung für Führungskräfte wurde dagegen von der Versicherungsaufsicht nicht zugelassen.

Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zehn Jahren verneunfacht. Die Jahresperformance lag mindestens bei 11,7 Prozent. In diesem Jahr legte das Papier 29 Prozent zu, während der Vergleichsindex S&P 500 um sieben Prozent nachgab.