Telekom Scharfer Kritiker sollte neuer Chefregulierer werden

Ein vehementer Kritiker des Bonner Telefonriesen sollte neuer Chef der Bonner Regulierungsbehörde werden. Amtsinhaber Klaus-Dieter Scheurle hatte vor wenigen Tagen -nicht ganz freiwillig - seinen Rücktritt erklärt.

Frankfurt am Main - Der vorschlagsberechtigte Beirat wollte den Chef des Branchenverbandes VATM, Joachim Dreyer, als Nachfolger Scheurles verpflichten. Dies meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreise.

Dreyer habe jedoch abgelehnt, neuer Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zu werden, heißt es weiter. Der Vorsitzende des Beirats, Elmar Müller (CDU), war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dreyer gilt als scharfer Kritiker der Telekom und hat dem Konzern wiederholt vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt systematisch verhindern zu wollen. Dazu bediene sich die Telekom einer "trickreichen Verzögerungstaktik" und "massiven Dumping-Preisen", hatte er zuletzt auf einer Veranstaltung Ende Oktober gesagt.

Als Präsident steht Dreyer derzeit dem VATM vor (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten), in dem sich mehr als 50 Konkurrenten des ehemaligen Monopol-Unternehmens Deutsche Telekom zusammengeschlossen haben. Zudem ist Dreyer Aufsichtsratsmitglied beim Stuttgarter Telekommunikationsdienste-Anbieter Debitel und war dort zuvor Vorstandschef.

Scheurle wird zum Jahresende sein Posten als Chefregulierer niederlegen und als Berater zur Investmentbank Credit Suisse wechseln. Sein - als nicht ganz freiwillig geltender - Rücktritt hatte in der Branche Befürchtungen ausgelöst, sein Nachfolger könne mit Rücksicht auf den Bund als Hauptanteilseigner bei der Telekom und der Deutschen Post einen Schmusekurs gegenüber den Ex-Monopolisten einläuten.

Der Jurist Scheurle hatte in seiner fast zweijährigen Amtszeit als oberster Wettbewerbshüter auf den Märkten für Telekommunikation und Post gegenüber den beiden Staatsunternehmen einen kritischen Kurs gefahren.

Als aussichtsreicher Kandidat für Scheurles Posten galt zuletzt auch Matthias Kurth. Der 48-jährige Hesse hält bei der Bewerbersichtung gleich mehrere Trümpfe in seiner Hand. Als amtierender Vizepräsident der Regulierungsbehörde (seit März 2000) ist er mit den aktuellen Aufgaben auf das Beste vertraut und kennt die internen Abläufe. Durch seine Tätigkeit als Richter am Landgericht Darmstadt hat er zudem das Rüstzeug, um in den immer schärfer vorgetragenen Streitpunkten zwischen der Telekom und ihren Wettbewerbern abzuwägen.