US-Wahl Bushs Vorsprung schmilzt

Bei der Kontrolle der Stimmen schmilzt der Vorsprung des Republikaners George W. Bush im entscheidenden Bundesstaat Florida.

Fort Lauderdale - Die Wahlkommission des Wahlkreises Broward teilte in Fort Lauderdale mit, für den Demokraten Al Gore habe sich nach der Handauszählung der Stimmen ein Plus von über 560 Stimmen ergeben. Das Oberste Gericht Floridas hatte für die Ergebnisse eine letzte Meldefrist bis 23 Uhr MEZ gesetzt.

Warten geht weiter

Unklar blieb, ob die Kontrollzählung im Bezirk Palm-Beach bis dahin abgeschlossen sein würde. Inoffiziellen Zwischenresultaten zufolge lag Gore dort 90 Stimmen vor Bush. Damit würde Gore jedoch sein Ziel verfehlen, den Republikaner zu überflügeln, der nach der maschinellen Auszählung 930 Stimmen Vorsprung hatte.

Die Amerikaner müssen allerdings noch mindestens eine weitere Woche auf die Entscheidung über ihren künftigen Präsidenten warten. Das Oberste Gericht der USA hat eine Klage der Republikaner gegen die Nachzählung von Wahlstimmen in Florida angenommen und für kommenden Freitag eine mündliche Verhandlung in Washington angesetzt.

Zünglein an der Waage

Die 25 Stimmen Floridas im US-Wahlmännergremium entscheiden in diesem Jahr wegen des knappen, wer amerikanischer Präsident und damit Nachfolger von Bill Clinton wird.

Der Kommissionsvorsitzende in Broward, Robert Lee, sagte, bei der Auszählung habe sich ein Vorsprung von 563 Stimmen für Gore ergeben. Hinzu kämen noch vier Briefwahlstimmen. Gegen die Wertung dieser vier Stimmen hatte ein Anwalt der Republikaner im Auszählungszentrum protestiert, woraufhin er des Saales verwiesen wurde.

Protest-Demonstration der Republikaner

Vor dem Gebäude hatten sich tagsüber rund 450 Bush-Anhänger versammelt, die in Sprechchören und auf Spruchbändern den Stopp aller Neuauszählungen forderten. Lee sagte, das von ihm vorgetragene Ergebnis beabsichtige er der Innenministerin Floridas, Katherine Harris, zu melden. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses in Fort Lauderdale war die Kontrollzählung im Wahlkreis Palm Beach noch im Gange.

Zunächst waren in Florida maschinelle Nachzählungen ausgeführt worden, weil der Abstand zwischen Bush und Gore nach der Wahl am 7. November unter dem Grenzwert von 0,5 Prozent gelegen hatte. Bei der danach von den Demokraten durchgesetzten Nachzählung per Hand wurden unter Aufsicht von Repräsentanten beider Parteien auch Stimmzettel ausgewertet, die vorher als ungültig verworfen worden waren.

Viel Arbeit für die Anwälte

In Miami-Dade, dem bevölkerungsreichsten Wahlbezirk Floridas, war die Neuauszählung per Hand jedoch am Mittwoch mit der Begründung vorzeitig eingestellt worden, die Meldefrist sei nicht einzuhalten. Eine Gruppe von fünf demokratischen Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus hat beim US-Justizministerium eine Untersuchung darüber beantragt, warum die Kontrollzählung gestoppt wurde. Die Demokraten waren zuvor mit ihrem Versuch gescheitert, eine Fortsetzung der Nachzählung per Gerichtsbeschluss anzuordnen.

Die Republikaner halten hingegen die Handnachzählungen für verfassungswidrig und befürchten dadurch Manipulationen zu Lasten Bushs. Der Oberste Gerichtshof der USA hat für den kommenden Freitag eine 90-minütige Anhörung zu der Streitfrage angesetzt. Die Demokraten erwägen unterdessen nach Angaben von Gores Sprecher Douglas Hattaway, die Ergebnisse aus Palm Beach anzufechten.

Tausende Stimmen verloren?

Hattaway verwies am Samstag in Tallahassee darauf, dass wegen des verwirrenden Stimmzettels viele Wähler in Palm Beach nicht wie beabsichtigt Gore ihre Stimme gegeben hätten, sondern dem Kandidaten der Reformpartei, Pat Buchanan. Die Demokraten vermuten, dass Gore dadurch Tausende von Stimmen verloren gingen. Sie legten entsprechende eidesstattliche Erklärungen von Wählern vor, die sich getäuscht fühlen und sich beschwerten. Nach Hattaways Angaben wollen die Demokraten spätestens am Montag darüber entscheiden, ob sie die Ergebnisse aus Palm Beach anfechten.

Die Gouverneurin des Bundesstaates New Jersey, Christine Todd Whitman, beobachtete für die Republikaner die Kontrollen in Broward und Palm Beach. Sie erhob den Vorwurf, die Kontroll-Kriterien seien nicht einheitlich gewesen. Ihr gleichfalls republikanischer Kollege aus Oklahoma, Frank Keating, riet Bush, das Ergebnis gerichtlich anzufechten, wenn Gore gewinnen sollte.

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