Mittwoch, 26. Juni 2019

Bangkok nach dem Bombenanschlag Bangkok - eine aufstrebende Weltstadt am Kliff

Skyline von Bangkok: Die Angst vor Inflation und Wachstumsstillstand ist groß. Viele thailändische Haushalte sind bereits jetzt überschuldet. Nach dem Bombenanschlag kommt die Angst hinzu, dass die Touristen fernbleiben könnten

Der Bombenanschlag trifft die aufstrebende Millionenstadt Bangkok in mehrfacher Hinsicht. Thailands Hauptstadt ist von Konflikten und Gegensätzen geprägt - bleiben die ausländischen Gäste aus, sieht es für Bangkoks Zukunft düster aus.

Bangkok hat zwar keinen weißen Sandstrand, so wie dies bei den Anschlägen in Tunesien der Fall war. Aber ähnlich wie in Sousse wird der Enffekt in der thailändischen Hauptstadt womöglich der gleiche sein: die Ausländer werden ausbleiben. Damit wird ein zentraler Nerv der 14-Millionenmetropole getroffen.

Der Bauboom in der Metropole Bangkok zielt beim Verkauf der Luxus-Apartments ja vor allem auf Ausländer ab. Diesen gefällt unter anderem das jahrein, jahraus mit Seewinden säuselnde 30-Grad-Klima der Stadt ganz besonders.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die thailändische Regierung Menschen aus der westlichen Welt, die das Alter von 50 Jahren überschritten haben, es mittels eines immer wieder erneuerbaren "Rentner"visums ermöglicht, dort zu leben. Das sagt nicht nur mit Arthritis kämpfenden Menschen zu. Das Land verspricht sich von der Attraktion dieser Alterskohorte ganz einfach Wirtschaftswachstum.

Wer den Chao Phraya-Fluss, nach wie vor die Lebensader der Stadt, auf und ab fährt, der sieht, wie zügig sich die Stadt verändert - und sich dabei doch irgendwie treu bleibt. Die Flussufer, die einstmals hauptsächlich von chinesischen Händlern bewohnt worden, die dort auch gleich ihre kleinen Lagerhallen direkt am Fluss hatten, werden zunehmend von Boutique-Hotels durchsetzt. Die Grundidee ist, sehr viel mehr von einer echten Flusspromenade zu schaffen.

Gegensätze prallen aufeinander

Unter diesem Vorzeichen gewährt die Fahrt auf dem Fluss auch einen tiefen Einblick in die Seele der Metropole, weil hier im Moment sehr viel Gegensätzliches aufeinander prallt. Man spürt diese Kontraste besonders hautnah, wenn man nicht nur in einem der Touristenboote oder auch den von Bangkokern benutzten linienmäßigen Transportbooten den Fluss entlang fährt, sondern in einem der vielen kleinen Boote, die von lauten Motoren angetrieben den Fluss geradezu "bereiten."

Wer als Ausländer den Fluss zumindest jeden zweiten oder dritten Tag auf die eine oder andere Art und Weise bereitet, wird nicht um hinkommen, an Saipan Thaksin ein- oder auszusteigen: Also genau an der Stelle, wo jetzt die zweite Bombe, die fehlgezündet ist, geworfen wurde.

Neben der Trauer um den Verlust vieler Menschenleben stellt sich noch eine breitere Trauer ein. Bangkok, die Hauptstadt Thailands, lebt bei aller Dynamik und Faszination direkt an einem Kliff. Dies ist kein physisches Kliff, sondern ein politisch-metaphorisches.

Zerrissenheit zwischen Gelb und Rot - Erneuerern und Bewahrern

Die Bevölkerung der Stadt und des Landes, ist zwischen den gelben und den roten Kräften, so genannt nach den T-Shirtfarben, die beide Gruppen sich zueigen gemacht haben, zerrissen. Und zwar in einer Weise, die der Unversöhnlichkeit zwischen Demokraten und Republikanern in den Vereinigten Staaten ähnelt.

Trotz dieser politischen Fragilität, bei der auch die stets undurchsichtige Rolle des Militärs eine gewichtige Rolle spielt, übt Bangkok weiterhin eine Faszination auf Ausländer aus. Das nicht nur wegen des weltbekannten "Street Food" oder der unerschütterlichen Freundlichkeit der Thailänder.

Die Stadt ist auch eine faszinierende Mischung von Traditionellem und Hochmodernem. Trotz allen Umbruchs wird in Bangkok nicht alles so untergewalzt, wie dies in China der Fall ist. Obendrein haben die Thailänder auch einen großartigen Sinn für Farben und Design, von Möbeln und Innenarchitektur bis hin zum Bauen faszinierender Wolkenkratzer.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung