BSE Nicht mehr Insel der Seligen

"Deutsches Rind ist ebenso wenig sicher wie die deutsche Rente", kommentieren die Zeitungen. Das System der industriellen Fleischerzeugung müsse überdacht werden, heisst es.

Hamburg - Der Kölner "Express" merkt an: "Jetzt haben wir den Schlamassel. Mit der BSE-Kuh aus Schleswig- Holstein ist der Rinderwahnsinn kein Exklusivproblem unserer Nachbarn mehr. Alle Verantwortlichen sind plötzlich geschockt, sorgen sich um die Gesundheit der Verbraucher. Wie scheinheilig!

Jahrelang haben uns Politiker und Fleisch-Lobby trotz der bekannten Gefahren vorgegaukelt, dass Deutschland BSE-frei sei und bleiben werde. Mit einer Ausnahme: Unbeirrt bot NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn dem Kartell der Weichspüler stets Paroli. Hoffentlich wachen ihre Kollegen jetzt endlich auf und handeln, bevor uns der Appetit endgültig vergeht."

Die "NRZ" kommentiert: "Jetzt also auch bei uns. Seit gestern ist Deutschland nicht mehr die Insel der BSE-freien Seligen. Wir haben es schon immer vermutet. Doch Bundes- und Landesregierungen sowie die Agrarlobbyisten haben uns werbekampagnenmäßig einreden wollen: Deutsches Rind ist sicher.

Das erinnerte an den Blüm'schen Spruch von der angeblich sicheren Rente - kann in diesem Fall aber tödlich sein. Seit gestern kann es nicht mehr ums Beruhigen gehen. Da ist Nichts mehr zu beruhigen. Kontrollen, mag ihr Netz auch noch so engmaschig sein, können keine 100-prozentige Sicherheit bieten. Ein Restrisiko bleibt.

Für die Zukunft muss das heißen: Nicht länger an den Symptomen herumdoktern, die Ursachen angehen. Und zwar ohne Rücksichtnahme aufs Geschäft. Kein Tiermehl mehr - an kein Tier. Und: Der freie Handel muss zurücktreten, wenn es um die Gesundheit geht. Die geht vor."

"So hartnäckig das Problem mit BSE - verseuchten Rindern jahrelang bei uns geleugnet wurde, so schnell soll jetzt auf einmal auf das bislang unmöglich Erscheinende mit einem schnellen Verbot der Tiermehl-Fütterung reagiert werden. Doch das ist zu wenig. Das ganze System der industriellen Fleischerzeugung muss auf den Prüfstand", fordert der "Kölner Stadt-Anzeiger".

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