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Verbote und Geldzufuhr: Wie Peking bislang in die Börse eingriff

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Börsenturbulenzen Warum der Crash in China noch nicht ausgestanden ist

Peking versucht die Probleme an den chinesischen Börsen in gewohnter Manier zu lösen: mit massiver Staatsgewalt. Planwirtschaft trifft auf die freien Kräfte des Aktienmarktes - das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Hin und wieder kommt es vor, dass die Realität die Satire überholt. So wie jetzt in China, wo an diesem Sonntag die Absolventen der Elite-Universität von Tsinghua verabschiedet werden sollen.

Bevor die Hochschulabgänger - wohlgemerkt die kommende Wirtschaftselite Chinas - ihre Zeugnisse in Empfang nehmen, so berichtet die "Financial Times", müssen sie gemeinsam und lauthals den folgenden Slogan rufen: "Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes; Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes." So stehe es in der offiziellen Agenda des Events, heißt es in der "FT".

Das dürfte die bislang skurrilste Maßnahme sein, mit der Peking versucht, die Kräfte des Aktienmarktes zu bändigen. Die erste ist es aber nicht. In den vergangenen Tagen hat die Regierung bereits ein ganzes Bündel von Eingriffen beschlossen, um zu verhindern, dass die Kurse an den Börsen des Landes weiter sinken und womöglich auch die Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. So wurden etwa bestimmte Aktienverkäufe verboten, die Liquidität im Markt erhöht und die Konjunktur gestützt.

Die vordergründig gute Nachricht lautet: Inzwischen zeigen diese Bemühungen auch Wirkung. Nachdem die Aktien seit Juni um mehr als 30 Prozent gefallen waren, haben sie sich am Donnerstag und Freitag signifikant erholt. Ein Plus von jeweils um die sechs Prozent führte zum stärksten Comeback des chinesischen Aktienmarktes seit 2008.

Kann Peking wirtschaftliche Probleme jederzeit lösen? Die Zweifel wachsen

Für die Politiker in Peking ist das zunächst erfreulich. Sie beziehen einen Großteil ihrer Souveränität gegenüber dem Volk aus dem Nimbus, wirtschaftliche und andere Probleme jederzeit lösen zu können. Sollte der Aktienmarkt weiterhin machen, was er will, so würde das der Glaubwürdigkeit der Führungsriege vermutlich nicht guttun. Dem Beobachter stellt sich jedoch die Frage: Ein gelenkter Aktienmarkt, an dem zwar rasante Kursanstiege möglich sind, wo aber Verluste mit massiver Staatsgewalt verhindert werden - kann das auf Dauer gut gehen?

Fußgängerbrücke in Shanghai: "Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes"

Fußgängerbrücke in Shanghai: "Erholung für die A-Shares, zum Wohl des Volkes"

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Es hilft zunächst ein Blick zurück. Vor dem Einbruch im Juni erlebte der chinesische Aktienmarkt einen gewaltigen Hype. Die Kurse in Shanghai und Shenzhen stiegen binnen Jahresfrist im Schnitt um weit über hundert Prozent. Zwar öffnet sich der Markt zunehmend internationalen Investoren. Der Antrieb für die Kursgewinne, da sind sich die Fachleute einig, kam aber diesmal vor allem aus dem breiten chinesischen Volk. Vom Taxifahrer bis zum Mittelmanager entdeckten die Chinesen die Börse als Ort, wo sich schnell und unkompliziert viel Geld verdienen lässt - jedenfalls, wenn es gut läuft.

Immer mehr Beobachter hatten beim Blick auf die Kurscharts zuletzt vor Übertreibungen gewarnt. Die Entwicklung erinnert an 2007 und 2008, als in China schon einmal eine Aktienblase platzte.

Der Irrtum von der Parallelwelt-Börse

Mit einem Unterschied: Die Volksrepublik von heute ist mit jener damals kaum noch zu vergleichen. Das Wirtschaftswachstum schwächelt bereits seit einiger Zeit, die Verschuldung hat in der Zwischenzeit massiv zugenommen, wie auch manager-magazin.de-Gastautor Daniel Stelter ausführt.

Vor dem Hintergrund versucht nun Peking, den Börsencrash zu verhindern. Viele Chinesen halten den Aktienmarkt zwar offenbar für ein Spielcasino mit exorbitanten Gewinnmöglichkeiten - er ist aber keins.

Denn volkswirtschaftlich betrachtet existiert die Börse keineswegs in einer Parallelwelt, abgetrennt von der Realwirtschaft. Sie ist ein Teil davon, eine Art Tankstelle, an der sich Unternehmen mit dem dringend benötigten Treibstoff namens Geld versorgen können.

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Verbote und Geldzufuhr: Wie Peking bislang in die Börse eingriff

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Deshalb ist es wichtig, dass - von kurzfristigen Abweichungen abgesehen - die Bewertungen an der Börse auf lange Sicht mit den tatsächlichen Werten der Firmen übereinstimmen. Schießen die Kurse dagegen deutlich über die realen Werte hinaus - wie zuletzt in China -, so sehen die Anleger auf ihren Depotauszügen de facto lediglich Phantomvermögen, das real nicht existiert. Sprich: Sie wähnen sich dann vielleicht reich, sind es aber nicht.

Das ist der Grund, warum jede Spekulationsblase zwangsläufig früher oder später platzen muss. Und es ist auch der Grund, warum es auf Dauer nicht gelingen kann, dass ein Staat ein solches Bersten verhindert.

Möglich also, dass die jüngste Erholung von Donnerstag und Freitag bereits das Ende des Crashs in China ankündigt,wie dies manche Experten, wie etwa Mark Mobius von Franklin Templeton, vermuten. Das gilt allerdings nur, sollte tatsächlich bereits die gesamte Luft aus Chinas Aktienblase entwichen sein.

Ist dies jedoch nicht der Fall, dann deuten die Vorzeichen in die andere Richtung. Immerhin sind nach wie vor etwa 50 Prozent der chinesischen Aktien vom Handel ausgenommen. Es bleibt abzuwarten, was passiert, sobald diese Papiere wieder auf den Markt kommen.

Sehen Sie hier einen Überblick über die zehn Maßnahmen, mit denen Peking bislang versucht, die Kurssturz aufzuhalten.

Und sehen Sie hier einen satirischen Blick auf die Börse in China und den verzweifelten Kampf der Volksrepublik mit dem ungeheuerlichen Finanzmarkt

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