Montag, 22. Juli 2019

Käufersuche ausgesetzt - Bund plant IPO der Pfandbriefbank PBB Tochter der Krisenbank Hypo Real Estate soll an die Börse

Deutsche Pfandbrief Bank: Die Nachfolgerin der Krisenbank HRE soll an die Börse gebracht werden, der Bund will 75,1 Prozent der Anteile loswerden

Doch kein Verkauf: Der Bund will sich mit Hilfe eines Börsengangs wieder von der mit Steuermilliarden geretteten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) trennen. Noch im Juli soll die Mehrheit der Deutschen Pfandbriefbank an die Börse gebracht werden, in der das Kerngeschäft der HRE gebündelt ist. Dies teilte das Institut am Mittwoch in München mit.

Mindestens 75,1 Prozent der Anteile will der Bund so loswerden, hat sich aber bereits verpflichtet, für zwei Jahre noch mit mindestens 20 Prozent beteiligt zu bleiben.

Die HRE sucht seit Februar in einem Bieterverfahren nach einem Käufer. Dieses Verfahren werde nun ausgesetzt. Die Trennung von der HRE ist eine Auflage der EU-Kommission, die der Bund im Gegenzug für die milliardenschwere Rettung und Verstaatlichung der Bank erfüllen muss.

Der Eigentümer der HRE, der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin, erteilte einem Verkauf der pbb an einen Finanzinvestor oder eine andere Bank damit eine Absage. Das Bieterverfahren sei "zunächst ausgesetzt". SoFFin-Managerin Jutta Dönges erklärte, der Gang an die Börse werde "unter Berücksichtigung aller Chancen und Risiken das bessere Ergebnis für den Steuerzahler bringen".

Erlös aus Börsengang fließt in die Staatskasse

Der Erlös aus dem Börsengang fließt komplett der Staatskasse zu. Eine Kapitalerhöhung werde es nicht geben, betonte die Bank. "Die Kapitalausstattung der pbb ist sehr gut", sagte ihr Co-Chef und Finanzvorstand Andreas Arndt. Insgesamt stecken in der pbb 2,3 Milliarden Euro Staatsgeld, wie aus ihrem Geschäftsbericht von 2009 hervorgeht. Eine Milliarde davon ist eine Stille Einlage, die im Zuge des Börsengangs zurückgezahlt werden soll.

Bund bräuchte einen Erlös von 1,3 Milliarden Euro

Um aus der pbb ohne Verlust wieder herauszukommen, müsste der Bund mit dem Verkauf all seiner Aktien daher mindestens 1,3 Milliarden Euro erlösen. Die ersten 75 Prozent müssten damit für rund eine Milliarde Euro verkauft werden.

Die Stille Einlage soll weg, weil sie bisher Ausschüttungen an die Aktionäre verhindert. Die Pfandbriefbank will die Zeichner der Aktien aber mit der Aussicht auf "regelmäßige und konstante Dividendenausschüttungen" locken, wie sie mitteilte.

Die Zeichnungsfrist dürfte nach dem üblichen Zeitplan in zwei Wochen beginnen. Investoren gelten derzeit als hungrig auf Neuemissionen am Aktienmarkt. Allerdings beurteilen viele Banker die Chancen der pbb skeptisch. An die Börse begleitet wird sie federführend von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen Bank und der US-Investmentbank Citigroup .

Die finalen Gebote im Bieterverfahren waren Ende Mai fällig gewesen. Als ein Interessent war neben Finanzinvestoren der chinesische Versicherer Anbang gehandelt worden. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin, die einer Übernahme zustimmen muss, hat aber Vorbehalte gegen Finanzinvestoren als Eigentümer deutscher Banken. Dass ein Bieter den Börsengang mit einem höheren Gebot noch vereitelt, wird in Finanzkreisen für wenig wahrscheinlich gehalten.

EU fordert Privatisierung bis Jahresende

Die pbb muss bis Ende des Jahres privatisiert werden - eine Auflage der Europäischen Union (EU). Bisher ist es jedoch nicht gelungen, auch nur einen Teil der HRE in private Hände zu bekommen.

Für die irische pbb-Schwester Depfa hat der Bund sich für eine Abwicklung über die staatliche "Bad Bank" FMS entschieden. Ein Verkauf der Service-Tochter der FMS war kürzlich geplatzt.

Operativ fasst die pbb wieder Fuß. Im ersten Quartal hat sie nach eigenen Angaben so viel Neugeschäft gemacht wie noch nie seit dem Neustart, vor allem mit Immobilienfinanzierungen. Sie hat im Kerngeschäft mehr als 30 Milliarden Euro an Krediten vergeben. Trotz einer Sonderabschreibung auf ihr Engagement bei der österreichischen "Bad Bank" Heta schrieb die pbb von Januar bis März einen Gewinn vor Steuern von 51 (38) Millionen Euro. Mittelfristig soll die Eigenkapitalrendite einen hohen einstelligen Prozentsatz erreichen.

von Alexander Hübner, Reuters

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