Fifa-Korruptionsskandal US-Steuerfahndung erwartet weitere Anklagen

Von mm-newsdesk
Fifa-Chef Blatter applaudiert sich selbst: Für fünfte Amtszeit wiedergewählt

Fifa-Chef Blatter applaudiert sich selbst: Für fünfte Amtszeit wiedergewählt

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Nach der Blatter-Kür ist vor dem nächsten Fifa-Beben? Das jedenfalls deutete sich an. Zumal der Chef der US-Steuerfahndung von weiteren Anklagen im Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband ausgeht. Laut "New York Times"  sagte Richard Weber: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine weitere Runde von Anklagen haben werden."

Weber wollte nach "NYT"-Angaben die übrigen Ziele der US-Ermittlungen nicht nennen. Er wollte auch nicht sagen, ob darunter auch der soeben wiedergewählte Fifa-Präsident Joseph Blatter sei. Die US-Behörden gingen aber davon aus, dass weitere Personen in kriminelle Handlungen verwickelt seien.

Nach Ermittlungen aus den USA hatten Fahnder am Mittwoch sieben Spitzenfunktionäre, darunter auch die Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay), in Zürich festgenommen. Insgesamt sind in den USA bislang 14 Anklagen wegen Verschwörung und Korruption in Zusammenhang mit Fußball-Geschäften erhoben worden. Der New Yorker Staatsanwalt Kelly Currie hatte bereits nach den Festnahmen in der Schweiz erklärt, dass die US-Ermittler erst am Anfang ihrer Aufklärungsbemühungen stünden und nicht schon am Ende.

Weber wies in der "NYT" außerdem Vorwürfe insbesondere aus Russland wegen einer angeblich gezielten Einmischung in Fifa-Angelegenheiten zurück: "Wir beschäftigen uns mit Korruption, da führt eines zum anderen, zu noch etwas anderem und zu noch etwas anderem."

Blatter plant Imagekampagne

Der Fahnder bestätigte erneut, dass Ermittlungen gegen den ehemaligen US-Funktionär Chuck Blazer wegen Steuervergehen der Auslöser für die Untersuchungen im milliardenschweren Fußball-Geschäft gewesen sind: "Unsere Ermittlungen haben als Steuerfall begonnen. Aber wenn klar wird, dass wir es wie in diesem Fall mit Korruption im internationalen Ausmaß zu tun haben, nutzen wir natürlich unsere Sachkenntnisse zur Verfolgung der illegalen Geldflüsse."

Fifa-Chef Blatter hingegen sagte, die Festnahmen seien "kein Zufall" gewesen: "Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren." Zudem sieht er einen Zusammenhang zwischen seinem internen Rivalen für den Präsidentschaftsposten, dem Jordanier Prinz Ali Bin Al Hussein, und den USA. "Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", sagte Blatter.

Einen Rücktritt als Konsequenz aus dem Fifa-Skandal hatte der Sportfunktionär ausgeschlossen. Im Gegenteil: Blatter wurde am Freitag für eine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands gewählt. Der umstrittene Schweizer erhielt auf dem Fifa-Kongress in Zürich zwar im ersten Wahlgang nicht die die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, Hussein verzichtete aber auf ein zweites Votum. Für Blatter stimmten 133 Delegierte, für Hussein 73.

Blatter kündigte anschließend Pläne zur Image-Verbesserung des Fußball-Weltverbandes an. Nach den "tragischen Ereignissen" ermögliche ihm seine Wiederwahl, an seinem Konzept zu arbeiten, sagte der 79-Jährige zu Fifa TV.

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"Es wurde gesagt, dass ich verantwortlich bin für das, was passiert ist. Ich übernehme die Verantwortung, und wir müssen nun ein besseres Image für die Fifa aufbauen, und ich weiß auch, wie", sagte Blatter. Details nannte er nicht, die Arbeit an dem Konzept sollte aber bereits am Samstag bei der Sitzung des Exekutivkomitees aufgenommen werden. Dabei werde es auch Überraschungen geben.

ts/suc/vek/dpa/AFP
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